Übersicht der Kalklagerstätten und -abbaugebiet in Sachsen

Allgemeines

Der Abbau und die Verarbeitung verschiedener Bodenschätze hat die Entwicklung Sachsens über Jahrhunderte maßgeblich geprägt und beeinflusst sie bis heute. Im Mittelpunkt des Bergbaus stand seit dem Mittelalter der Erzbergbau, der insbesondere auf Silber, Zinn, Kupfer, Eisen, Kobalt, Wolfram und Uran umging. Im Zuge der Industrialisierung gewannen ab dem 19. Jahrhundert der Stein- und Braunkohlebergbau an Bedeutung. Bedeutsam sind zudem umfangreiche Lagerstätten an Werksteinen und Baustoffen wie Sand, Lehm, Ton, Kies und Kaolin. Hinzu kommen vereinzelte Vorkommen an Edel- und Schmucksteinen. Kurzum - Sachsen ist ein an Bodenschätzen reiches Land.

Unter diesen Rahmenbedingungen ist es bemerkenswert, dass oberflächennahe und einfach gewinnbare Kalklagerstätten kaum vorkommen. Die Kalkarmut Sachsens ist in erste Linie ein Ergebnis der geologischen Entwicklung, denn die einst hier vorhandenen Kalkablagerungen wurden entweder weitgehend abgetragen oder durch mächtige Sedimente überdeckt.

Der gleichzeitig aber vorhandene Bedarf nach Kalk hat dazu geführt, dass sich der Abbau in den vergangenen Jahrhunderten auf eine Vielzahl von kleinen und mittleren Abbaurevieren konzentrierte, die räumlich eine relativ weite Streuung aufweisen. Grundlegend sind Kalksteinvorkommen - mit Ausnahme des Trias und Tertiärs - in allen geologischen Formationen Sachsens anzutreffen. Teilweise sind auch der Erzlagerstätten in ihrer Entstehung an Kalkvorkommen gebunden gewesen, so dass hier eine Gewinnung von Erz und Kalk erfolgte.

In einer groben, regional und naturräumlich orientierten Einteilung können Lagerstätten (1) des Erzgebirges, (2) der nördlich vorgelagerten Erzgebirgsrandzone, (3) Lagerstätten im Bereich der nordsächsischen Hügelländer (Plattendolomite der Zechsteinformation) sowie (4) des Vogtlandes unterschieden werden. Hinzu kommen einige isolierte und meist sehr kleine (5) Vorkommen im Bereich der kreidezeitlichen Sedimentation (Elbsandsteingebirge, Zittauer Gebirge, Dresdner Elbtalweitung).

 

(1) Kalklagerstätten des Erzgebirges

Die Standorte des erzgebirgischen Kalkbergbaus und der Kalkindustrie sind weitgehend an geologisch umgewandelte Kalklager gebunden, in denen der Kalk als feinkristalliner Marmor vorkommt. Die bedeutendsten Standorte finden sich in Lengefeld, Hammerunterwiesenthal und Hermsdorf bei Frauenstein, wo die Kalksteinförderung bis heute anhält.

Darüber hinaus sind mit Crottendorf, Scheibenberg, Herold, Raschau, Rehefeld-Zaunhaus, Frankenstein-Memmendorf und Flöha weitere Standorte ebenfalls in früheren Zeiten von umfangreicheren Kalkbergbau betroffen gewesen. Schließlich kam es im Erzgebirge auch vielerorts im Zuge der Arbeit in Erzbergwerken zur Erschließung kleinerer Kalksteinlager, die auf diese Weise quasi im "Nebengeschäft" mitgefördert wurden. Oft handelte es sich dabei um "spatartigen Kalkstein", der als sogenannte "Eisensteinflösse" in idealer Weise als Flussmittel in den regionalen Schmelzhütten genutzt werden konnte.

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Blick auf den Tagebau des Alten Lagers im Kalkwerk Lengefeld. Der Lengefelder Kalkabbau reicht urkundlich bis 1528 zurück. Der Tagebaubetrieb wurde ab 1928 durch die Tiefbauförderung abgelöst und bis heute betrieben. Lengefeld ist derzeit (2015) das einzige mit Schachtförderung arbeitende Bergwerk in Sachsen. Teile des Abbau- und Verarbeitungsbereiches sind seit 1986 als Museum zugänglich.

 

(2) Kalklagerstätten der Erzgebirgsrandzone

Die saumartig um das Erzgebirge gelagerte Zone von Schiefergebirgen (Nossen-Wilsdruffer-Schiefergebirge, Elbtalschiefergebirge, Sächsisches Granulitgebirge) und Mulden (Erzgebirgsbecken, Freital-Döhlener Becken) beherbergt ebenfalls eine Reihe bedeutender Kalklagerstätten. Ihr geologischer Bau ist oftmals kompliziert.

Tiefbaubereich im Kalkabbaugebiet von Maxen. Die Kalkförderung reicht hier urkundlich bis 1546 zurück. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ Kurfürst August der Starke Maxener Marmor als Dekorationsstein u.a. zur Gestaltung des Grünen Gewölbes verwenden. Als markantes Zeugins der Kalkgeschichte blieben bis heute zwei Rumfordöfen aus dem 19. Jahrhundert erhalten.

Die wichtigsten Lagerstätten des Elbtalschiefergebirges liegen südlich von Pirna in einem langgestreckten Streifen zwischen Maxen, Nentmannsdorf, Borna und Berggießhübel. Im Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge erfolgte die Gewinnung in mehreren Abbaubereichen entlang des Triebischtales um Miltitz, Blankenstein, Helbigsdorf, Braunsdorf und Tharandt. Weitere bekannte Standorte des Kalksteinabbaus waren Rabenstein bei Chemnitz und das sogenannte Wildenfelser Zwischengebirge um Wildenfels, Hartenstein und Langenweißbach südlich von Zwickau. Im Sächsischen Granulitgebirge war Berbersdorf im Striegistal Abbauort von Kalkstein. Im Rotliegenden des Döhlener Beckens erfolgte die Kalkgewinnung am Windberg bei Niederhäslich. Hier wurden um 1900 zahlreiche Saurierskelette in den Kalksteinbänken gefunden, so dass auch vom "Saurierkalkstein" von Niederhäslich gesprochen wird.

Blick in den Kalktagebau Borna südlich von Pirna. Die Kalkgewinnung in Borna lässt sich urkundlich bis zur Mitte des 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Mehr als 400 Jahre war der "Kalkberge zu Borne" (1551) ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Dorfleben. Zwischen 1946 und 1958 wurde der Kalkstein auch untertägig gewonnen. Neben dem großen Bruch erinnern heute mehrere kleine Brüche und Kalköfen sowie ein 2011 eröffnetes kleines Museum an die Kalkgewinnung und -verarbeitung.

 

(3) Kalklagerstätten im Bereich der nordsächsischen Hügelländer

Die Sedimentation des Zechsteinmeeres während des späten Perms erstreckte sich auch auf die nördlichen Bereiche Sachsens. An mehreren orten tritt hier ein Kalkgestein auf, dass sich plattenförmig abgesondert hat und aufgrund seines hohen Magnesiaanteils als "Plattendolomit" bezeichnet wird. Einen umfangreichen Abbau erfuhren diese Dolomitvorkommen im Bereich um Mügeln und Ostrau, wo der Dolomitabbau bis heute erfolgt, in der Region um Geithain und Frohburg sowie in der Umgebung von Crimmitschau und Meerane.

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Blick in einen aufgelassenen Dolomitkalk-Tagebau nördlich von Geithain

 

(4) Kalklagerstätten im Vogtland

Im Vogtland sind mehrere Vorkommen von Kalkgesteinen an die Gesteinsformationen des Devon und Karbon gebunden. Im Bereich der Städte Plauen und Oelsnitz wurden diese Vorkommen in einer Vielzahl kleinerer Steinbrüche gefördert. 

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(5) sonstige Kalklagerstätten

Auch in den durch kreidezeitliche Sedimentationen geprägten Regionen Sachsens finden sich einige kleinere Kalksteinvorkommen. Am bedeutendsten war der Abbau während des 19. Jahrhunderts im Bereich des Weinböhla-Coswiger Nordhanges der Elbtalweitung, wo, wie auch bei Dresden-Strehlen, kreidezeitliche Kalkmergel gewonnen wurden.

Blick in den ehemaligen Mohn´schen Kalkbruch in Weinböhla. Insbesondere im 19. Jahrhundert war Weinböhla stark vom Kalkabbau und -brennen geprägt. Dabei wurde ein maximal 14 m mächtiges Lager von Pläner mit eingeschalteten Kalklinsen ausgebeutet.

Im Bereich der sächsischen Kreidesandsteinformationen (Elbsandsteingebirge, Zittauer Gebirge) wurden an verschiedenen Stellen auch Versuche der Kalkgewinnung unternommen, die an kalkhaltigere Gesteinspartien gebunden waren, ohne das die Qualität für die Produktion von Kalk als ausreichend befunden wurde.

Am Nordrand des Elbsandsteingebietes kam es entlang der geologischen Störungslinie der Lausitzer Verwerfung an mehreren Stellen zum Aufschleppen älterer Kalksteinlinsen, die aus Sedimenten der Jurazeit aufgebaut werden. Ihre Gewinnung und Verarbeitung erfolgte u.a. bei Zeschnig, Hohnstein, Saupsdorf und Hinterhermsdorf. Die Kalkvorkommen entlang der Lausitzer Verwerfung setzen sich bis nach Böhmen hinein fort.

Abbauweitungen im Kalkwerk Zeschnig. Der Kalkabbau begann hier um 1780 um Tagebau und setzte sich um 1850 im Tiefbau fort. Die dabei entstandenen Abbaukammern dienen heute als Fledermausquartier. In unmittelbarer Nähe zur Grube blieben die Reste eines wohl um 1860 entstandenen Kalkofens erhalten.

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