Übersicht der Kalklagerstätten und -abbaugebiet in der Tschechischen Republik

Allgemeines

Im Gegensatz zu Sachsen befinden sich auf dem Territorium der Tschechischen Republik gleich mehrere Regionen die durch ausgedehnte Kalksteinvorkommen geprägt sind. Insbesondere im Gebiet südwestlich von Prag (Praha) sowie in der Region um Brünn (Brno) bilden mächtige Kalksteinablagerungen eigenständige Landschaftseinheiten, die als Böhmischer Karst (Český kras) und Mährischer Karst (Moravský kras) bezeichnet werden.

Neben diesen beiden "klassischen" Kalkrevieren existieren auf dem Gebiet der Tschechischen Republik jedoch noch zahlreiche weitere größere und kleinere Lagerstätten. Die nachfolgende Zusammenstellung stellt den Versuch dar, die Standorte des historischen böhmisch-mährischen Kalkgewerbes in einer übersichtlichen Gliederung darzustellen. Da bisher kaum zusammenfassende Quellen vorliegen, ist jedoch davon auszugehen, dass dieser Stand noch nicht endgültig ist nach und nach noch Ergänzungen vorgenommen werden müssen.

(1) Kalklagerstätten im Böhmischen Karst (Barrandium)

Die Kalksteine des Böhmischen Karsts erstrecken sich als Teil der geoogischen Einheit "Barrandium" in einem Gebiet, dass sich von der Tschechischen Hauptstadt Prag in Richtung Südwesten erstreckt. Auf der geologischen Karte erkennt man hier eine langgestreckte ovale Zone von annähernd 30 km Länge und bis zu 10 km Breite. Es handelt sich um eine Muldenstruktur, in welcher die im Silur und Devon gebildeten Kalkgesteine teilweise stark verfaltet und in einzelne Schollen zerbrochen wurden. Der Fossilienreichtum des Gebietes ist berühmt und wurde v.a. durch die Forschungen von Joachim Barrande (1799-1883) bekannt, der die hier lagernde Gesteinsabfolge 1852 erstmals stratigraphisch gliederte. Nach ihm wurde 1895 der Begriff "Barrandium" eingeführt.

In dem bereits in der Vorgeschichte dicht besiedelten Gebiet dürfte die Nutzung von Kalkstein bereits früh eingesetzt haben. Nicht zuletzt war aber auch die Entstehung der im Mittelalter zu den größten europäischen Städten gehörenden Stadt Prag durch die nahen Kalksteinvorkommen begünstigt. In Verbindung mit den hier ebenfalls zu findenden Sandsteinen (dem sogenannten 'opuka' = Pläner) konnte sich im Hausbau die Steinbauweise zeitig durchsetzten. Darüber hinaus begünstigten die chemischen Eigenschaften des unmittelbar an der Stadtgrenze gewonnenen Kalkgesteins den Einsatz für Wasserbauten. Prager Kalk war ab dem Mittelalter für diesen Zweck in ganz Europa begehrt.

Die Dimensionen der Kalksteinförderung im Böhmischen Karst verdeutlichen die gewaltigen Steinbrüche bei Konieprus (Koněprusy), hier im Vordergrund der Großsteinbruch "Teufelsstufen" ("Čertovy schody"). Hier befinden sich auch die berühmten Tropfsteinhöhlen und weitere interessante Karsterscheinungen.

(2) Kalklagerstätten im Mährischen Karst

Das Gebiet der Kalksteine um Brünn weist eine große Reihe von Standorten des Kalkgewerbes auf, die sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu wichtigen Zentren der Kalk- und Zementindustrie entwickelten. Diese Standorte werden jedoch, ebenso wie die übrigen mährischen Kalksteinvorkommen, auf dieser Internetseite nicht ausführlicher vorgestellt.

Der Kalksteinbruch "Na Hádech" am Stadtrand von Brünn zeigt, welche Ausmaße die Kalksteinproduktion im Gebiet des Böhmischen Karsts erreichte.

(3) Böhmische Kreidetafel (Česká křídová tabule)

Weite Teile Böhmens sind von kreidezeitlichen Ablagerungen bedeckt (Böhmisches Kreidebecken). Die Sandsteine  dieser Zone weisen teilweise einen erhöhten Kalkgehalt auf (man nennt sie dann Plänerkalk) und wurden daher an verschiedenen Standorten auch zum Kalkbrennen genutzt. Es zeigte sich zudem, dass solche Gesteine zur Zementproduktion geeignet sind. Bedeutende Standorte der Kalk- und Zementindustrie befanden sich:

a) in Tschichkowitz (Čížkovice) bei Lovositz (Lovosice). Hier kaufte das Dresdner Unternehmen Zechel & Hänsel im Jahre 1895 ein bestehendes Kalk- und Ziegelwerk auf und baute dieses ab 1898 zur Sächsisch-Böhmischen Fabrik für Portlandzement aus. Der Zement war sehr hochwertig und wurde u.a. zum Bau des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig verwendet. Heute gehört das Zementwerk in Tschichkowitz der französischen Firma Lafarge, die 1995-97 umfangreiche Modernisierungen vornahm.

b) bei Leitmeritz (Litoměřice). Hier wurde 1870 die Leitmeritzer Aktiengesellschaft für das Kalk- und Ziegelbrennen gegründet. 1881 verfügte das Werk bereits über vier Ringöfen und zu Beginn des 20. Jahrunderts began man mit der Herstellung von Zementwaren. Der Abbau des Kalksteins erfolgte untertägig. Ab 1941 wurde das ausgedehnte Stollensystem unter dem Decknamen "Richard" als untertägiges Verlagerungssystem ("U-Verlagerung") für die Produktion von Panzermotoren genutzt, die hier unbehelligt von Bombenangriffen durchgeführt werden konnte. Dafür würde das bestehende Stollensystem stark erweitert und soll eine Länge von ca. 30 km erreicht haben. Seit 1964 wird das Stollensystem als Endlager für Abfälle mit künstlich erzeugten Radionukliden genutzt.

c) bei Teplitz (Teplice). Hier gab ein kleines Lager von kreidezeitlichem Kalkstein und Ziegelton, welches sich am Nordfuß des sogenannten Wachholderbberges südwestlich von Teplitz befand. In der Umgebung der Dörfer Settenz (Řetenice) und Hundorf (Hudcov) befanden sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Kalköfen und Ziegeleien sowie ein Zementwerk. Heute sind nahezu keine Zeugnisse dieser Produktion erhalten, da die Betriebseinrichtungen abgerochen und die Steinbrüche verkippt wurden.

Überblick über die Kalksteinbrüche und Kalköfen (rot) sowie die Ziegelöfen (blau) in der Umgebung von Teplitz (Kartengrundlage: Militärkarte der Franziszeischen Landesaufnahme 1836-1852)

d) bei Mariaschein (Bohusudov). Hier am Fuße des Erzgebirges entstand 1860 das erste Zementwerk auf dem Gebiet Böhmens. Der Betrieb war an ein Lager von Kalkmergel gebunden, welches unmittelbar nordwestlich von Mariaschein lag. Der Betrieb endete aufgrund finanzieller Probleme bereits in den 1930er Jahren.

historische Ansicht des Zementwerkes Mariaschein

e) bei Liboch (Liběchov) an der Elbe. Im Gebiet nordwestlich von Prag entlang des Zakolaner Baches (Zákolansky potok) bestanden zahlreiche kleine Steinbrüche, in denen Plänerkalk zum Kalkbrennen gewonnen wurde. Da sich diese Gewinnungsstätten meist auf Ackerland befanden, wurden die Brüche nach dem Ende der Nutzung zugeschüttet und wieder in Ackerfläche verwandelt. Heute sind daher meist gar keine Spuren mehr zu finden.

f) am Nordwestfuss des Krugwald (Džban) in der Umgebung der Gemeinden Michelob (Měcholupy), Schelesen (Železná), Dobritschan (Dubčany), Tuschoritz (Tuchořice) und Groß Lippen (Lipno u Postoloprt).

(4) Lausitzer Verwerfung (Lužický zlom)

Am Nordrand des Elbsandsteingebietes kam es entlang der geologischen Störungslinie der Lausitzer Verwerfung an mehreren Stellen zum Aufschleppen älterer Kalksteinlinsen, die aus Sedimenten der Jurazeit aufgebaut werden. Ihre Gewinnung und Verarbeitung erfolgte u.a. bei Daubitz (Doubice), Khaa (Kyjov) und Christophsthal am Jeschken. Die Kalkvorkommen entlang der Lausitzer Verwerfung setzen sich bis nach Sachsen hinein fort.

Blick auf das Mundloch des Förderstollens vom Alten Kalkbruch in Daubitz. Durch den Stollen gelangte der gebrochene Kalkstein mit einer Lorenbahn zum Kalkofen.

(5) böhmischer Teil des Erzgebirges (Krušné hory)

Kalkstein - meist in Form von Marmor - tritt im Erzgebirge häufiger auf, als dies zumeist vermutet wird. Generell ist anzumerken, dass die Gewinnung des Marmors im Erzgebirge oft an den Erzbergbau gebunden war. So wurden zum einen Marmorlager durch den Erzbergbau erschlossen. Andererseits stellte Kalk insbesondere im Eisenverhüttungsprozess einen wichtigen Rohstoff dar ("Eisensteinflösse"), hier diente er zusammen mit weiteren Zuschlagstoffen zur Bindung unerwünschter Bestandteile des Erzes in der Schlacke und setzte zudem die Schmelztemperatur des Eisens herab. Die Marmorlager wurden aber auch, wenn es ohne großen Aufwand möglich war, zielgerichtet zur Herstellung von Branntkalk für das Bauwesen und als Düngerersatz ausgebeutet. Auch wenn dies nur spärlich mit Quellen unterlegt werden kann, so ist doch anzunehmen, dass die Kalkstein- und Marmorgewinnung im Erzgebirgsraum schon ab dem späten 12. Jahrhundert erfolgte. Somit ist die Förderung dieser Gesteine eine der ältesten bergbaulichen Aktivitäten des Gebirgszuges.

Im Vergleich zum sächsischen Erzgebirge sind die Vorkommen auf böhmischer Seite in ihrer Zahl geringer. Dies liegt daran, das die "kalkreiche" Glimmerschieferhülle des Erzgebirges nur zu einem kleinen Teil im Westerzgebirge bis nach Böhmen hinein reicht. Die böhmischen Marmor- und Kalksteinlager lassen sich räumlich wie folgt gliedern:

Im Osterzgebirge ist lediglich ein Kleinvorkommen bei Moldau (Moldava) zu finden, welches im Zusammenhang mit den größeren Lagern bei Hermsdorf und Zaunhaus auf sächsischer Seite zu sehen ist. Etwa 2 Kilometer ostnordöstlich des Bahnhofes Moldau liegen zwei Kalksteinbrüche, die auf jeweils etwa 15 Meter mächtige Marmorlager gerichtet waren. Der zugehörige kleine Weiler hatte den bezeichnenden Namen Kalkofen und wird noch heute in der tschechischen Entsprechung Vápenice genannt.

Das Mittlere Erzgebirge weist im böhmischen Teil ebenfalls kaum Lagerstätten auf. Zu den wenigen Abbaugebieten von Marmor bzw. Kalkstein gehört das bereits zur Besiedlungszeit des Erzgebirges erschlossene Vorkommen von Kallich (Kallek), welches aus mehreren aderförmig verzweigten schmalen Lagern aufgebaut ist. Ebenfalls bereits sehr früh erfolgte der Abbau eines ca. 10 Meter mächtigen Lagers von Kalzitmarmor in der Nähe der Burg Hassenstein (Hasištejn) bei Platz (Místo).

Kalkbruch bei Kallich

Dichter und in größerer Zahl finden sich Marmor- und Kalksteinvorkommen im Westerzgebirge. Sie stellen dabei eine Fortsetzung der Linie von größeren sächsischen Lagerstätten dar, die von Oberscheibe über Crottendorf nach Hammerunterwiesenthal reichen. Ihre Fortsetzung auf böhmischer Seite bildet die Lagerstätte bei Schmiedeberg (Kovářská), wo ein bis zu 30 Meter mächtiges Lager von Dolomitmarmor erschlossen wurde. Vom ehemaligen Kalkwerk sind hier noch zwei Rüdersdorfer Kalköfen erhalten geblieben, weshalb dieser Standort als Stätte der Welterberegion "Montanregion Erzgebirge" vorgesehen ist.

In Schmiedeberg wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Kalköfen errichtet, in denen bis 1924 der Dolomit aus dem anschließenden Steinbruch gebrannt wurde. Zum Teil fand der gebrannte Kalk auch in der Eisenverhüttung in Schmiedeberg Verwendung. Die Öfen stehen heute unter Denkmalschutz. Der hintere Ofen im Bild ist bereits sehr stark verfallen, so dass man von der Rückseite wie in einem Schnittbild sehr schön den Aufbau des Ofenschachtes beobachten kann.

Etwa 2 Kilometer südlich liegt am Kalkberg (Vápený kopec) ein weiterer auflässiger Kalksteinbruch. Größere Marmorbrüche liegen etwa 3 Kilometer südöstlich bei Oberweigensdorf (Vykmanov). Der gesamte Bereich der Berghänge bis hinüber nach Reihen (Rájov) ist mit Steinbrüchen übersät. Insgesamt sollen bis zu 9 einzelne Brüche zu finden sein. Hier befanden sich zudem mehrere große Kalköfen (daher auch der Name des Ortsteils Vápenice = Kalkofen), von denen allerdings keine nennenswerten Spuren erhalten blieben. Der Abbau des hiesigen Dolomitmarmors endete 1962, womit die letzte aktive Gewinnungsstätte des böhmischen Erzgebirges eingestellt wurde.

Blick in den ehemaligen Bruch Oberweigensdorf. In diesem Steinbruch wurde seit mindestens 1831 Dolomitmarmor gewonnen. In der talseitigen Steinbruchwand (links) findet man noch die Reste mehrerer Stollen, durch die das Wasser aus dem Bruch geleitet und das gebrochene Gestein zum Kalkofen befördert wurde. Später entstand einen Kilometer talabwärts ein grosser Ringofen, der bis 1843 in Betrieb war. Der Steinbruch wurde bis 1962 betrieben, und war somit der letzte aktive Kalk-/Dolomitbruch im böhmischen Teil des Erzgebirges.

Die westlichste erwähnenstwerte Lagerstätte im böhmischen Teil des Erzgebirges befindet sich bei Rothau (Rotava), welche früher mit dem treffenden Namen "Kalkofen" versehen war. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde hier ein 10 bis maximal 50 Meter mächtiges Lager von Kalzitmarmor abgebaut und an Ort und Stelle gebrannt. Im hiesigen Steinbruch lässt sich der Übergang von der übertägigen Gewinnung zum Tiefbau gut nachvollziehen.

(6) Eisengebirge (Železné hory)

Das Eisengebirge gehört in geologischer Hinsicht zu den kompliziertesten Gebieten Böhmens. In der Nähe der Stadt Prachowitz (Prachovice) findet man hier einen 2,5 km langen und etwa 600 m breiten Streifen hochwertigen Kalksteins aus der Zeit des Silur und Devon. Möglicherweise leitet sich bereits der Stadtname Prachowitz vom Kalkstaub ab, denn das tschechische Wort "prach" bedeutet "Staub". Die Kalksteingewinnung ist hier bereits nachweislich seit 1398 erfolgt, setzte aber verstärkt erst ab ca. 1870 ein, als örtliche Bauern auf ihren Flurstücken Kalksteingruben eröffneten und zur Weiterverarbeitung Kalköfen errichteten. Der darin erzeugte Kalk wurde hauptsächlich an die regionalen Zuckerfabriken geliefert. Die gezielte Erschließung der Kalksteinlagerstätten durch Eisenbahnen und die Einrichtung einer Förderseilbahn brachten eine gesteigerte Fördermenge mit sich. Nach 1950 entstand bei Prachowitz ein großes zentrales Zement- und Kalkwerk, welches die übrigen Standorte des Gebietes überflüssig machte.

(7) Böhmerwald (Šumava) und Südböhmen

Im Böhmerwald liegen einige Lager kristallinen Kalksteins (Marmor). Hier erlangte das Kalkgewerbe ebenfalls im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eine industrielle Bedeutung, als insgesamt 7 Ringöfen verschiedener Größen und Arten entstanden. Zuvor wurde Kalk nur in vergleichsweise primitiven Öfen gebrannt. Der produzierte Kalk wurde vor allem im lokalen Bauwesen und der Landwirtschaft verwendet. Zeitweilig erfolgte auch ein Export nach Deutschland und Österreich. Die Produktionsstandorte waren um Tschachrau (Čachrov), Schüttenhofen (Sušice) und Horadschowitz (Horažďovice) gelegen.

Ein weiterer Standort der historischen Kalkindustrie findet sich östlich von Tabor (Tábor). Hier erstreckt sich zwischen den Siedlungen Chejnow (Chýnov) und Unter Horschitz (Dolní Hořice) ein ca. 3 km langer Streifen von Kalkstein und Dolomit, der bereits im 18. Jahrhundert im Auftrag der hiesigen Linie der Adelsfamilie Schwarzenberg gewonnen wurde. Aufgrund des hohen Anteils an Magnesium waren die Eigenschaften des erzeugten Kalks sehr gut und der Vertrieb erfolgte bis in entlegene Regionen. Bis zum Bau einer Bahnlinie nach Chejnow wurde der Kalk auf einem eigenen Feldbahngleis bis zum Bahnhof in Tabor befördert.

Auch im Gebiet um Böhmisch Krumau (Český Krumlov) existierten Kalkwerke. Weschseln (Vyšný) wurde z. B. schon 1886 durch die Firma Ludvík Schönbauers ein RIngofen mit 14 Kammern errichtet. Weitere Öfen um Böhmisch Krumau gehörten der Adelsfamilie Schwarzenberg.

(8) Riesengebirge (Krkonoše)

Im Riesengebirge finden sich Lager von Kalkstein bzw. krisallinem Kalkstein im Bereich des Südfußes sowie an den Hängen der östlichen Täler. Der Kalkabbau um Schwarzenthal (Černý Důl) ist bereits seit 1507 nachweisbar. Der hier gewonnene Kalk wurde z.B. zum Bau der Festung Josefstadt (Josefov) bei Jermer (Jaroměř) verwendet. Ab dem 19. Jahrhundert stieg die Produktion an, wobei Kalk v.a. für Düngemittel, das Bauwesen, aber auch sonstige Verwendungen in der Industrie hergestellt wurde. Interessant ist die 9 km lange Transportseilbahn, die noch heute Kalkstein von Schwarzenthal zur Eisenbahnverladung ins Elbtal nach Pelsdorf (Kunčice nad Labem) befördert. Es handelt sich um die längste aktive Transportseilbahn Mitteleuropas. Ein weiterer wichtiger Standort des Kalkgewerbes war Ober Albendorf (Horní Albeřice).

Blick auf einen achteckigen Schachtkalkofen (um 1870) in Schwarzenthal, der hier den Übergang zum industriellen Kalkbrennen markiert. Der Kalkabbau (Dolomit, Kalkstein, Marmor) in Schwarzenthal reicht urkundlich bis 1507 zurück.

(9) Nordmähren

Im Gebiet des nordöstlichen Mährens, um Mährisch Ostrau (Ostrava), Stramberg (Štramberk), Stauding (Studénka) sowie Olmütz (Olomouc) und Prerau (Přerov) bestanden eine Reihe von Zentren der Kalkindustrie. Des weiteren ist im Gebiet um Littau (Litovel) bereits frühzeitig Kalkstein gefördert worden. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte das Kalkbrennen zunächst nur in primitiven Öfen, meist in Verbindung mit dem Ziegelbrennen. Der Kalk dieser Region galt als sehr hochwertig und wurde bevorzugt zu Mörtel- und Putzarbeiten genutzt. Außerdem war er in der chemischen Industrie gefragt.


...wird noch ergänzt...