Zur Geschichte des Bergbaus im Döhlener Becken

kurzer geologischer Überblick

Beim Döhlener Becken handelt es sich um eine südwestlich von Dresden befindliche Senke, die sich am Ende des Oberkarbons vor ca. 300 Mill. Jahren ins Variszische Gebirge einsenkte. Das Becken ist von Nordwest nach Südost ca. 22 Kilometer lang und von Nordost nach Südwest ca. 6 Kilometer breit. Angrenzend finden sich im Südwesten die kristallinen Gesteine des Erzgebirges, im Südosten und Nordwesten die Schiefergesteine des Elbtalschiefergebirges bzw. des Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirges und im Nordosten die Elbtalkreide. Das Fundament des Döhlener Beckens bilden im Nordosten Monzonite und Kontaktgesteine des Meißner Massivs, im zentralen Teil Gesteine des Elbtalschiefergebirges und im Südwesten die Gneise des Erzgebirges.

Beginnend im Oberkarbon lagerten sich im Döhlener Becken im Rotliegenden über einen Zeitraum von ca. 40 Mill. Jahren Sedimente in einer Mächtigkeit von mehreren hunderten Metern ab. Dabei handelte es sich vorwiegen um Pyroklasten, Sandsteine und Konglomerate. Die Grenzen des Rotliegenvorkommen im Döhlener Becken werden in etwa durch die Lage der Orte Wilsdruff und Unkersdorf im Nordwesten sowie Kreischa und Kautsch im Südosten markiert. Namensgeber des Beckens ist der Ort Döhlen, heute ein Stadtteil von Freital.

Die Sedimentfüllung des Beckens wird in vier geologische Formationen eingeteilt:

Tektonische Bewegungen haben zu Verwerfungen innerhalb der Schichtenfolge der Formationen geführt, dabei wurden teilweise Sprunghöhen zwischen den einzelnen Schichten von 350 Metern erreicht.

Für den Bergbau ist die Döhlen-Formation bedeutsam, da sich in dieser bis zu 7 wirtschaftlich bedeutende Steinkohle- und Brandschieferflöze befinden, die den Bergbau in der Region begründeten. Im Liegenden der Flöze tritt zudem eine unregelmäßig und dispers verteilte Uranvererzeung auf, die in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt des Bergbaus stand. Die Flöze stellten sich wie folgt dar:

Das 1. Flöz (Hauptflöz) war aufgrund seiner Mächtigkeit das bedeutendstes Kohleflöz. Es war am nächsten zur Tagesoberfläche gelegen und wies einen vergleichsweise geringen Aschegehalt auf. Das 5. Flöz verfügte hingegen über uranführende Bänke mit einer Mächtigkeit bis 0,6 Meter und stand wegen dieser Uranführung nach 1948 im Mittelpunkt der Bergbauaktivitäten.

Überblick der Bergbaugeschichte

Die Anfänge des Steinkohlenbergbaus in und um Freital reichen urkundlich bis 1542 zurück. In diesem Jahr erhielt der Münzmeister Hans Biener eine Förderkonzession für Steinkohle. Im gleichen Jahr beantragten auch Hermann von Tauschwitz aus Potschappel und die Brüder Peter und Nickel Zeutsch auf Burgk Abbaukonzessionen. Auch der Bergbauwissenschaftler Georgius Agricola erwähnte schon 1546 den Steinkohlenabbau im Plauenschen Grund.

Die frühe Förderung beschränkte sich jedoch auf (saisonal betriebene) Gewinnungsarbeiten an den Ausstrichstellen der Kohleflöze. Die geförderte Kohle diente zur Gewinnung von Alaun, das u.a. als Beizmittel für Leder verwendet wurde. Kurfürst August von Sachsen betrieb ein solches Werk im Garten des Rittergutes Burgk. Rasch gingen die oberflächennahen Kohlegräbereien in den Tiefbau über. Schon 1576 wird ein Stollen bei Potschappel erwähnt.

Bedeutsam war ein Schiedsspruch der Bergschöppenstühle in Freiberg und Joachimsthal von 1612. Darin wurde (entgegen früherer Festlegungen des Kurfürsten) die Steinkohle als "Nichterz" aus dem Bergregal ausgegliedert. Damit lagen die Abbaurechte bei den Grundbesitzern, die allerdings Abbaugenehmigungen bei den kurfürstlichen Bergämtern Freiberg (für die Abbaugebiete westlich der Weißeritz) und Altenberg (für die Abbaugebiete östlich der Weißeritz) einzuholhen hatten.

Im Dreißigjährigen Krieg kam die Steinkohlenförderung zum Erliegen. Nach Kriegsende machte sich in Sachsen und insbesondere im Freiberger Revier ein zunehmender Holzmangel bemerkbar, so dass Versuche zum Einsatz von Steinkohle in den Schmelzhütten und Bergschmieden zunahmen. Der Oberhüttenmeister Lingke stellte solche Versuche bereits 1628 an.

Eine Intensivierung der Kohleförderung ist im ausgehenden 17. Jahrhundert erkennbar. So wurde ab 1680 der "Potschappler Stolln" aufgefahren, der eine Länge von 2.218 Metern erreichte und über Flügelörter fünf Schächte erreichte. In Zauckerode wurde ab 1727 vom Tal der Wiederitz aus der "Claus-Stolln" aufgefahren, der bis 1752 mit einer Länge von 1.900 Metern die Kohlegruben in Kohlsdorf und Pesterwitz entwässerte. Mit dem "Burghardt Stolln" wurde ab 1747 ein weiterer Entwässerungsstollen mit einer Länge von ca. 1.500 Metern aufgefahren

Aufgrund des katastrophalen Holzmangels untersagte der sächsische Kurfürst 1736 jegliche Holzkohlenutzung in den Freiberger Bergschmieden, so dass sich der Zwang zur Steinkohlennutzung intensivierte. Auch in den Salinen herrschte  zu dieser Zeit ein akuter Brennstoffmangel. Der Kohleeinsatz in den Schmelzhüten scheiterte vorerst noch aufgrund der Schwefelgehalte. Das Kohlemandat von 1743 gestattete den Abbau für Jedermann, auch unter fremden Grund und Boden, sofern der Grundeigentümer den Abbau nicht selbst aufnahm.

Zu dieser Zeit existierten in Burgk, Döhlen, Kohlsdorf, Pesterwitz und Potschappel zwar über 30 Bergbaubetriebe, von denen nach einem Bericht des Bergrates Johann Gottfried Borlach von 1738 jedoch keiner den bergbautechnischen Ansprüchen genügte. Die Kohlegwinnung war gering, durch teils erhebliche Wasserzuflüsse erschwert und offensichtlich nicht frei von Gefahren. So ist in einem Bericht von 1743 von einer „Befahrung der zu Pesterwitz und Burgk theils in Brand geratenen und theils sonst zu Bruch gegangenen  Steinkohlenwerke“ die Rede.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurden die Bergwerke und Tagesanlagen teilweise durch Soldaten zerstört und verbrannt. Nach Kriegsende verhinderten permanente rechtliche Auseinandersetzungen zwischen den zahlreichen Grundbesitzern und Bergbautreibenden einen Aufschwung des Bergbaus, obwohl sich die Holzknappheit immer prekärer darstellte und der Bedarf nach Steinkohlen stieg.

In dieser Zeit erwarb Carl Gottlieb Dathe 1767 das Rittergut Burgk samt den dazugehörigen Bergwerken, die er in den folgenden Jahren modernisierte und erweiterte. Ab 1773 ließ Dathe den "Burgker Weißeritzstolln" zur Grubenentwässerung anlegen, der bis 1836 eine Länge von ca. 2.550 Metern erreichte. Bis 1780 wurden mit dem "Alten Schacht" (125 Meter) und dem "Kunstschacht" (101 Meter) die ersten Tiefschächte im Revier abgeteuft. Unter dem Nachfolger Karl Gottlieb Dathe entwickelte sich das Burgker Bergwerk bis 1805 zu einem Großbetrieb mit über 400 Mann Belegschaft.

Das Rittergut Potschappel samt Bergwerken wurde 1784 von Graf von Hagen übernommen, der ebenfalls tatkräftig den Bergbau in seinem Bereich modernisierte. Von Hagen lieferte u.a. Steinkohle für den Betrieb der ersten Wattschen Dampfmaschine, die in Hettstedt (Preußen) errichtet wurde. 1801 erbaute von Hagen die erste deutsche Glasfabrik mit Steinkohlenfeuerung.

Auch der Staat selbst engagierte sich Ende des 18. Jahrhunderts wieder im Bergbau, da die privaten Steinkohlenwerke trotz aller Bemühungen nicht genügend Kohlen für die Bergschmieden und Schmelzhütten liefern konnten. So übernahm der Staat 1799 den Betrieb des ab 1789 aufgefahrenen "Leopold Erbstolln" (Länge ca. 600 Meter). 1806 ging die 1745 von den Rittergutsbesitzern von Döhlen und Zauckerode gegründete "Döhlische Steinkohlen-Gewerkschaft" samt den Rittergütern Döhlen und Zauckerode in den Besitz des Kurfürsten Friedrich August von Sachsen über. Auch hier wurden sofort Modernisierungs- und Erweiterungsmaßnahmen durchgeführt. Dafür wurden auch 55 Bergleute aus Johanngeorgenstadt und dem Mansfelder Land in den Plauenschen Grund abgeordnet.

Somit bestanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts sowohl links wie rechts der Weißeritz mit den Gruben in Burgk (von Dathe) und in Zauckerode/Döhlen (staatlich) zwei Bergwerksunternehmen, welche die Entwicklung des Bergbaus in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich prägen sollten.

Da die Grubenbetriebe nach wie vor unter starken Wasserzuflüssen litten, erfolgte 1800 der Anschlag des "Tiefen Weißeritzstolln", der bis 1842 einschließlich der Flügelorte eine Länge von ca. 6.630 Metern erreichte und über 21 Lichtlöcher verfügte. Doch schon ab 1817 wurde mit dem "Tiefen Elbstolln" ein noch tieferer Entwässerungsstollen von der Elbe bei Dresden-Cotta zum "Neuen Zaukeroder Kunstschacht" und zum "Oppelschacht" (ca. 6.000 Meter) vorangetrieben. Der "Tiefe Elbstolln" wurde 1837 vollendet und erreichte mit Flügelorten eine Länge von ca. 11 Kilometern.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur stetigen Intensivierung des Abbaus, die mit der Einführung verschiedener Neuerungen verbunden war. So wurde auf dem Oppel-Schacht in Zauckerode 1882 die erste elektrische Grubenbahnlokomotive der Welt in Betrieb genommen.

Am 2. August 1869 ereignete sich auf den Schächten "Segen-Gottes" und "Neuhoffnung" eine Grubengasexplosion, die 276 Bergleute das Leben kostete. Das Unglück ist bis heute das viertschwerste Unglück in der deutschen Bergbaugeschichte.

Im Jahr 1900 erreichte der Abbau aller Gruben mit einer Förderleistung von 661.000 Tonnen ihren Höhepunkt. Nach dem ersten Weltkrieg traf eine Absatzkrise den Bergbau, hinzu kam die Erschöpfung einzelner Grubenfelder. Die "Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke" stellten 1930 den Abbau ein. Der Abbaum im Bereich des früheren "Königlichen Steinkohlenwerks Zauckerode" überdauerte noch den Zweiten Weltkrieg und endete 1967.

Die Untersuchung von Haldenmaterial erbrachte die Bestätigung von uranerzführenden Steinkohlenschichten. Diese wurden von 1947 bis 1989 mit Unterbrechungen von der WISMUT abgebaut. Aus dieser letzten Bergbauperiode heraus finden bis heute noch Verwahrungs- und Sanierungsarbeiten statt.

Vom Steinkohlenbergbau in und um Freital zeugen heute noch eine Reihe von Bergbausachzeugen:

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Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks von 1869

Namenslisten am Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks von 1869

Namenslisten am Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks von 1869

Bibelzitat am Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks von 1869

Huthaus des Neuhoffnungsschachtes in Kleinnaundorf

Grubenhunt am Mundloch der Rösche des Segen-Gottes-Schachtes

Mundloch der Rösche des Segen-Gottes-Schachtes

Schlussstein am Mundloch der Rösche des Segen-Gottes-Schachtes (S.G.S.)

Tragwerk in der Rösche des Segen-Gottes-Schachtes
 

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Literatur und weiterführende Informationen