Bergbau im Elbsandsteingebirge

Einführung und Überblick

Das Elbsandsteingebirge ist, mit Ausnahme der Sandsteingewinnung selbst, im Gegensatz zu den benachbarten Naturräumen des Osterzgebirges bzw. des östlichen Erzgebirgsvorlandes/Elbtalschiefergebirges nicht als klassisches untertage-Bergbaugebiet auf Erz-, Spat- oder Kohlevorkommen bekannt. Die in diesen beiden Gebieten bekannten Lagerstätten von verschiedenen Erzen (u.a. Altenberg, Glashütte, Berggießhübel, Zinnwald) und Steinkohle (Döhlener Becken/Freital) entstanden weitgehend im Zuge der Variskischen Gebirgsbildung bzw. der anschließenden Abtragung dieses Gebirges im Karbon und Perm vor etwa 320 bis 250 Millionen Jahren. Sollte es hier zu Erz- bzw. Kohlebildungen in den tieferen Gesteinsschichten des Elbsandsteingebirges gekommen sein, dann wurden diese Vorkommen in der Kreidezeit vor knapp 100 Millionen Jahren von einer bis zu 600 Meter mächtigen Sedimentschicht überdeckt, die heute die Felsenlandschaft des Elbsandsteingebirges bildet.

Gleichwohl hat es auch im Elbsandsteingebirge seit Beginn der Besiedlung und damit etwa seit dem 13. Jahrhundert wiederholt und an verschiedensten Stellen Bergbauversuche gegeben. Die Orte der Bergbauaktivitäten lassen sich in Bezug auf ihre geologische Entstehung wie folgt zusammenfassen:

Bergbau entlang der Lausitzer Überschiebung: Der Regression des Kreidemeeres folgte eine Hebung des nördlich benachbarten Lausitzer Granitmassivs, dass sich von Norden und Nordosten teilweise über die Kreidesandsteinplatte des Elbsandsteingebirges schob und diese nach unten drückte, bis sie brach. Diese "Lausitzer Überschiebung" genannte Bruchzone verläuft im Elbsandsteingebirge in etwa entlang einer Linie von Pillnitz über Hohnstein und Hinterhermsdorf nach Schönlinde (Krasna Lipa). Beim Aufschieben der Granitgesteine auf die Kreidesandsteinplatte kam es entlang der Überschiebung zur Schrägstellung und teilweisen Überkippung der ursprünglich waagerecht lagernden Sandsteinschichten. Dabei wurden teilweise ältere Gesteine aus dem Perm, Jura, Cenoman und Turon aufgeschleppt und gelangten an die Erdoberfläche. Dies gab Anlass für verschiedene Erzbergbauversuche in den Tälern von Polenz, Sebnitz und Kirnitzsch bzw. begründete den Kalkbergbau auf Juragesteinen bei Zeschnig und Hohnstein, an der Lichtenhainer Mühle im Kirnitzschtal, bei Saupsdorf, an der Obermühle Hinterhermsdorf und im Weißbachtal unmittelbar an der sächsisch-böhmischen Grenze. In Böhmen selbst sind solche jurassischen Kalk- und Dolomitschollen in der Nähe von Zeidler (Brtniky), Khaa (Kyjov) und Daubitz (Doubice) bekannt und wurden ebenfalls teilweise abgebaut. Das Juravorkommen im Elbsandstein bei Daubitz (Doubice) ist dabei das größte in der Tschechischen Republik.

Lage der Kalklagerstätten im sächsischen Bereich der Lausitzer Überschiebung (rot gestrichelt): (1) Zeschnig, (2) Hohnstein, (3) Mittelndorfer Mühle, (4) Saupsdorf, (5) Obermühle Hinterhermsdorf, (6) Weißbachtal Hinterhermsdorf (Kartengrundlage: Geologische Karte vom Deutschen Reich, Section 20: Görlitz (1913), Sammlung SLUB/Deutsche Fotothek, online unter http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90010908/fg_dk_0000038_0022)

Bergbau im Bereich des tertiären Vulkanismus: Während des Tertiärs drangen an verschiedenen Stellen basaltische vulkanische Gesteine (Tephrite, Basalte, Foidite) in den Kreidesandstein ein und gelangten teilweise bis an die Oberfläche bzw. wurden durch spätere Abtragungsprozesse freigelegt. Als Zufuhrwege fungierten Schlote oder gangförmige Zerrüttungszonen. Die markantesten Zeugnisse dieser erdgeschichtlichen Phase sind die basaltischen Kegelberge des Rosenberges (Ruzovsky vrch), des Raumberges und des Großen und Kleinen Winterberges. Daneben existieren weitere Vulkanitintrusionen u.a. am Gohrisch, am Heulenberg, am Großen Zschirnstein und an der Hohwiese bei Hinterhermsdorf. Die Kontaktbereiche zwischen vulkanischen Gesteinen und Sandstein stellen einen zweiten Schwerpunkt der Bergbauaktivitäten im Elbsandsteingebirge dar. Dabei ging es vorrangig um die Gewinnung von Eisenerzen und verschiedenen Schwermineralien. Im Ergebnis des tertiären Vulkanismus entstand auch die Fluoritlagerstätte am Hohen Schneeberg (Decinsky Sneznik), bei der hydrothermale Lösungen in große Sandsteinklüfte eindrangen und auskristallisierten.

Bergbau im Bereich eingespülter Sedimente: Hier ist insbesondere die Uranerzlagerstätte Königstein zu nennen, die den mit Abstand bedeutendsten untertage-Bergbau im Bereich des Elbsandsteingebirges begründete. Hauptquelle des Uranerzes war der im Zuge der Variskischen Gebirgsbildung emporgestiegene Markersbacher Granit im späteren Grenzbereich zwischen Elbsandstein- und Elbtalschiefergebirge. Von diesem Granit wurde Uran durch infiltrative Wässer in die Kreidesedimente eingespült und an geochemischen Barrieren abgeschieden und angereichert. Daneben gab es an verschiedenen Stellen, u.a. bei Rosenthal, Pirna und an den Zschirnsteinen, Bergbauversuche auf vermeintliche Kohlelagerstätten, die aus Treibholz entstanden und sich v.a. am Rand des Kreidemeeres ablagerten.

untertägige Sandgewinnung: Vereinzelt erfolgte im Bereich von Schichtfugenhöhlen die Gewinnung des dort vorhandenen bindemittelarmen und sehr mürben Sandsteins als Scheuersand. Dabei erfolgte insbesondere am Kleinhennersdorfer Stein eine deutliche künstliche Erweiterung der natürlichen Höhlen zur Sandgewinnung.

bergmännische Anlagen zur Wasserversorgung: Das Elbsandsteingebirge zeichnet sich durch eine hohe Versickerungsfähigkeit aus. Das Regenwasser wird fast komplett ins Grundgestein infiltriert. Die Oberflächengewässer sind für eine geregelte Wasserversorgung nur teilweise nutzbar, da sie in längeren Trockenzeiten auch periodisch austrocknen können. Dies führte in einigen Orten zur Anlage von Wasserversorgungsstollen, welche tief im Sandstein gelegen Wasserzuläufe erschlossen. Der älteste dieser Stollen dürfte der Quellstollen des Erlpeterbrunnens in Pirna sein, der vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt wurde. Weitere Wasserversorgungsstollen finden sich u.a. in Pfaffendorf und an der Königsteiner Hofemühle. 

Daneben existieren im Elbsandsteingebirge eine Reihe von Anlagen, die nicht bergbaulichen Ursprungs sind, gleichwohl aber zum untertägigen Erbe der Region zählen. Gemeint sind die sogenannten "U-Verlagerungen" - Stollensysteme die von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg angelegt wurden, um die kriegswichtige Produktionszweige bombensicher nach untertage zu verlagern. Bevorzugt wurden dabei Standorte gewählt, die

Damit rückten auch die steilen Sandsteinfelsen und ehemaligen Sandsteinbrüche im Elbsandsteingebirge in den Fokus der NS-Rüstungswirtschaft. Folgende Anlagen wurden hier ab 1944 unter intensivstem Einsatz von KZ-Häftlingen angelegt, wobei jedoch nur ein Teil aufgrund des raschen Kriegsendes überhaupt in Betrieb genommen wurde:

Nachfolgend wird die Bergbaugeschichte eines Teiles der genannten Lagerstätten bzw. die Geschichte der U-Verlagerungen näher vorgestellt. Ein Großteil der Bergbauanlagen ist nicht oder nicht mehr öffentlich zugänglich.

Ein Teil der Fotos entstand im Rahmen der Winterkontrollen von Fledermausquartieren durch die Regionalbetreuer Fledermausschutz Sächsische Schweiz um Uwe Löser. Die Bergbaufreunde bedanken sich an dieser Stelle herzlich für die Einladung zur Befahrung.

 

Bergbaustätten im Porträt

St.-Michaelis-Stollen im Sebnitztal bei Altendorf >>> Altendorf St.-Michaelis-Stolln

Specksteinstollen am Gohrisch >>> Gohrisch Specksteinstollen

Hofemühlenstollen in Königstein >>> Königstein Hofemühlenstollen

Kalklagerstätte Zeschnig >>> Kalklagerstätte Zeschnig

Segen-Gottes-Stollen an der Scheibenmühle im Polenztal >>> Heeselicht Segen-Gottes-Stollen

Uranbergbau der WISMUT in Königstein >>> ...wird noch ergänzt...

U-Verlagerung Schwalbe II / Eisenrose in der Niederen Kirchleite bei Königstein >>> ...wird noch ergänzt...

U-Verlagerung Schwalbe III / Mondstein im Polenztal bei Porschdorf >>> ...wird noch ergänzt...

 

Literatur und weiterführende Informationen

allgemeine Schilderungen und Überblicksdarstellungen

einzelne Bergbauanlagen