Erzbergbau in der Umgebung von Berggießhübel

Auch in der Umgebung von Berggießhübel ist an verschiedenen Standorten Erzbergbau vorrangig auf Eisen und Silber betrieben wurden. Dieser Bergbau blieb allerdings vom Umfang her weit hinter dem Berggießhübeler Bergbau zurück und ist zudem aktenmäßig nur unzureichend erfasst, so dass die Informationen darüber deutliche Lücken aufweisen.

Am ältesten ist dabei wahrscheinlich der Silberbergbau von Bad Gottleuba, der vermutlich schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einsetzte und zur Gründung der Bergmannssiedlung Gottleuba führte. In der "Die Gotteszeche Fundgrube" südlich der Stadt wurde 1925 die letzte Schicht gefahren.

Im Zusammenhang zur Industrialisierung und dem damit einher gehenden steigenden Eisenbedarf sind verschiedene Bergbauunternehmen auf Eisenerz zu sehen, die in Borna-Gersdorf, Nentmannsdorf, Niederseidewitz, Friedrichswalde-Ottendorf, Maxen und Cotta stattfanden. Die Ergiebigkeit dieser Bergbauaktivitäten war sehr unterschiedlich, teilweise konnte über mehrer Jahrzehnte erfolgreich gefördert werden, oftmals endete der Bergbau jedoch nach kurzer Zeit aufgrund der hinter den Erwartungen zurückbleibenden Ausbeute.

In den Klüften der Kalklager des Elbtalschiefergebirges fanden sich vereinzelt auch Schwefelkies, Zinkblende und Bleiglanz, die ebenfalls verschiedene Bergbauversuche anregten, die aber fast ausnahmslos enttäuschend verliefen. Einzig die "Grüne-Zweig-Fundgrube" bei Friedrichswalde lieferte Anfang des 19. Jahrhunderts für wenige Jahre Schwefelkies an das Vitriolwerk Berggießhübel.

Rein spekulativen Charakter hatten einige Bergbaumutungen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stattfanden.

Die Zeugnisse des "Kleinbergbaus" in der Berggießhübeler Umgebung sind heute weitgehend verschwunden, einige Spuren lassen sich aber noch finden und sind nachfolgend dokumentiert. Die Geschichte dieser Bergbauorte ist noch weitgehend ungeschrieben, dabei finden sich in den Archiven noch Unterlagen, die es zu erschließen gilt. Man wird sehen, wie uns das in den nächsten Jahren gelingt...

Lage der Bergbauorte in der Umgebung von Berggießhübel (Kartengrundlage: Heimatkarte der Amtshauptmannschaft Pirna 1906, Sammlung SLUB / Deutsche Fotothek, online unter http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70402140)

 

Eisenerzbergbau bei Gersdorf (Gemeinde Bahretal)

Im etwa 3 Kilometer westlich von Berggießhübel gelegenen Gersdorf war der Bergbau nur eine Randnotiz im Laufe der Geschichte. Zwar finden sich verschiedentlich Angaben über umfangreiche Bergbauanlagen in Gersdorf, diese beziehen sich aber auf die nahen Berggießhübeler Zechen. Die Flurgrenze von Gersdorf reichte noch bis ins 20. Jahrhundert hinein weit nach Osten über den Hochstein hinaus bis an den westlichen Hang der Gottleuba. Damit lagen de facto mehrere Eisenerzzechen (u.a. "Trautschold Schacht", "Hohenstein Stolln", "Neuer Friedrich Schacht", "Tiefer Graf Carl Stolln", "Graf Carl Schacht") auf Gersdorfer Flur, die aber allesamt montanhistorisch Berggießhübel zuzuordnen sind.

In einer frühen Urkunde vom 5. Juni 1478 gewähren die sächsischen Landesherren den "...gewercken zu Allen Gleubigen Sellen zu Gerstorff bey der Gotlouben..." eine sechsjährige Münzbefreiung. Die Münzbefreiung zeigt, dass es sich bei "Allen Gläubigen Seelen" um eine Silbererzzeche gehandelt haben muss. Die Befreiung zeigt jedoch auch, dass der Bergbau (aus unbekannten Gründen) nur wenig ertragreich gewesen ist. Die geologische Karte (Blatt 102 Berggießhübel) verzeichnet in und um Gersdorf keinerlei Silbererzvorkommen. Dies muss jedoch nichts heißen. Die in den Altbergbaugebieten von Dippoldiswalde in letzter Zeit durchgeführten archäologischen Forschungen belegen, dass einerseits die Altvorderen der Erde auch kleine und kleinste Erzvorkommen entrissen haben. Andererseits können Spuren eines frühen Bergbaus auch rasch wieder in Vergessenheit geraten, wenn der Bergbau nur über wenige Jahre betrieben wurde. Dies ist hier offensichtlich der Fall, denn außer einer weiteren Urkunde ebenfalls von 1478 mit einer kurzen "Vorschreibunge uber das bergwerg in der funtgruben zu Gersdorf..." ("Ordnung für die Fundgrube zum Gersdorf bei Gottleuba") verschwindet der frühe Gersdorfer Bergbau wieder ungenannt in der Geschichte.

Erst im 19. Jahrhundert wird das kleine Dorf nochmals bergbaulich kurzzeitig interessant. Im Süden des Dorfes befindet sich am westlichen Talhang des Dorfbaches ein kleines von Nordwest nach Südost streichendes und mit etwa 35° nach Nordost fallendes Eisenerzlager. Es ist bis zu 1 Meter mächtig und enthält in der Masse Roteisenerz, dass aber stark mit Schiefergestein wechselt.

Lage des Eisenerzlagers und der "Burgk Fundgrube" in Gersdorf, am rechten unteren Bildrand markieren Jagd- und Hochstein die westlichen Ausläufer des Berggießhübeler Bergbaugebietes (Ausschnitt der Geologischen Karte - Sektion 102 Berggießhübel)

Der namhafte Montanunternehmer Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk, der im Plauenschen Grund bei Dresden ein Eisenwerk betrieb, engagierte sich Ende der 1830er Jahre auch im Eisenerzbergbau in Berggießhübel und Umgebung, um die Rohstoffversorgung seiner Hütte zu sichern. Burgk´s Schichtmeister Christian Friedrich Schenk entdeckte 1838 (oder früher?) das dicht unter der Erdoberfläche befindliche Gersdorfer Eisenerzlager. Die daraufhin gemutete "Burgk Fundgrube" umfasste sechs obere und zwei untere Maßen und den "Burgk Erbstolln". Das hier und in den anderen Burgk´schen Zechen in Berggießhübel geförderte Eisenerz verhüttete Dathe von Burgk im Eisenwerk Dölzschen, wo er 1842 den ersten sächsischen Kokshochofen in Betrieb nahm und dafür eine staatliche Prämie von 25.000 Talern einstrich.

Bemerkenswert ist eine von 1838 in den Akten des Bergarchivs erhaltene Anzeige des Berggießhübeler Obersteigers Christian Friedrich Hengst gegen den Bergarbeiter Heinrich Räsch und vier seiner Kollegen. Die fünf Kumpel hatten ihren bisherigen Arbeitsplatz in der "Hammerzeche Fundgrube" unerlaubt verlassen und waren "...wegen besserer Arbeit und Bezahlung..." auf die "Burgk Fundgrube" gewechselt.

Ob dieser Wechsel sinnvoll war, darf bezweifelt werden. Denn wegen der mangelhaften Qualität des Freitaler Steinkohlenkokses und der hohen Transportkosten wurde der Hochofen in Dölzschen schon 1848 wieder ausgegblasen und Dathe von Burgk beendete sein Engagement im Berggießhübeler Bergbau. Die Förderung in der "Burgk Fundgrube" endete noch eher, die Grube wurde schon 1843 losgesagt. Die Ergiebigkeit des Roteisenerzlagers war weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, insgesamt wurden aus der Grube nur 161 Fuder, d.h. knapp 180 Tonnen, Eisenerz gefördert.

Doch noch über 150 Jahre später machte die Grube auf sich aufmerksam. 2009 ereignete sich ein Tagesbruch auf den dicht unter der Oberfläche liegenden Hohlräumen der Fundgrube. Der Bruch wurde 2010 von der Bergsicherung verwahrt.

 

Eisenerzbergbau bei Niederseidewitz (Gemeinde Bahretal)

Das kleine Dorf liegt ca. 8 Kilometer nordwestlich von Berggießhübel auf dem Bergrücken zwischen dem Seidewitz- und Bahretal. Das Niederseidewitzer Wirtschaftsleben wurde über Jahrhunderte hinweg von der Landwirtschaft und der Lage an der Alten Dresden-Teplitzer Poststraße geprägt. Nur kurzzeitig erlangte auch der Eisenerzbergbau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Bedeutung.

Westlich des Ortes verzeichnet die Geologische Karte zwei schmale Lager von Rot- und Brauneisenerz bzw. Eisenkies. Ihr Abbau setzte ein, als ab 1820 unter der Initiative des sächsischen Kabinettsministers und Eisenhüttenunternehmers Detlev Graf von Einsiedel, Besitzer der Eisenwerke Lauchhammer und Gröditz, die Einsiedelsche Eisenhüttenadministration eine Neuuntersuchung der Erzlager in Berggießhübel und Umgebung vornahm. In der Folgezeit wurde der nach den Napoleonischen Befreiungskriegen (1813) niederliegende Bergbau in mehreren Zechen wieder aufgenommen. Zur Verhüttung wurde 1836 in Berggießhübel ein neues Eisenwerk mit Hochofen errichtet.

Lage der beiden Erzlager westlich von Niederseidewitz (Ausschnitt der Geologischen Karte - Sektion 83 Pirna)

Über den Bergbau der "König Anton Fundgrube" Niederseidewitz schrieb der bekannte Lagerstättenkundler Hermann Müller 1890 wie folgt:

"Von geringem Belang und kurzer Dauer waren die im zweiten bis vierten Jahrzehnt gegenwärtigen Jahrhunderts seitens des Gröditzer Eisenhüttenwerkes bei der Grube "Anton Fundgrube" zu Niederseidewitz (...) ausgeführten Bergbauversuche, welche bei König Anton Fundgrube nur 36 Fuder Roth- und Brauneisenstein ergaben. (...) Das Roth- und Brauneisenerzlager setzt nahe südwestlich vom Gasthofe "Zur Kalten Ruhe" im Knotenglimmerschiefer der Weesensteiner Grauwackenformation auf. Dasselbe ist mittels eines vom Tage niedergebrachten Schurfschachtes und durch einen aus der Schubschlucht auf 164 Meter Länge von NO herangetriebenen und auf etliche 80 Meter im Lagerstreichen ausgelängten Stolln aufgeschlossen und untersucht worden. Bei nahe ostwestlichem Streichen und 70 bis 75° nördlichem Fallen besteht es angeblich nur aus einer 0,06 bis 0,25 Meter mächtigen, von Rotheisenerz, Rotheisenrahm und Brauneisenerz innig durchdrungenen Schieferschicht."

Die Namensgebung nach dem sächsischen König Anton (1755-1836) deutet darauf hin, dass der Abbau in die Zeit seiner Regentschaft von 1827 bis 1836 fiel. Laut Aktenlage des Bergarchivs Freiberg umfasste die "König Anton Fundgrube" zum Zeitpunkt der Mutung im Jahr 1827 eine Fundgrube, ein oberes sowie ein unteres Maß und einen tiefen Erbstolln.

Der Stollen wurde in der Schub-Schlucht als Querschlag im Kalkschiefer etwa 30 Lachter (ca. 60 Meter) tiefer angesetzt. Im Septemberg 1829 hatte der Stollen mit einer Länge von 41,5 Lachter (ca. 83 Meter) das Lager erreicht. Der Schacht wurde im folgenden Jahr durch einen Querschlag erreicht. Dabei war das Bergwerk nur mit 2 Bergleuten belegt. Der Abbau erwies sich rasch als unrentabel, denn noch 1830 lag die Grube in Frist. Eine Förderung wurde jedoch nicht mehr aufgenommen.

1872 mutete Heinrich Krug aus Chemnitz die Zeche und das umliegende Gelände (insgesamt 7.267.225 Quadratmeter Grubenfeld) neu, sagte die Grube aber bereits 1873 wieder los und veräußerte sie an die Sächsische Eisenindustriegesellschaft Pirna. Die Gesellschaft betrieb damals die Berggießhübeler Eisenerzeche "Marie-Louise-Stolln" sowie ein im Aufbau befindliches Hüttenwerk in Pirna. Der Gründerkrach führte jedoch rasch zur Pleite der Gesellschaft. Nach einem Riß im Bergarchiv Freiberg war der Schacht der "König Anton Fundgrube" jedoch schon 1872 verfüllt, so dass die Krug'schen Aktivitäten rein spekulativen Charakter hatten.

Heute lassen sich schwache Spuren eines vollkommen verbrochenen Mundlochs im südlichen Hang des oberen Schuppricht-Lochs nahe der Straße nach Laurich erkennen, die wohl dem Erbstolln der "König Anton Fundgrube" zugeordnet werden können. Vom ehemaligen Schacht hingegen ist heute nichts mehr zu sehen, was möglicherweise mit einer leichten Verlagerung des Straßenverlaufs im 19. Jahrhundert zusammenhängen kann.

Darstellung des "Antons Stollen" auf einer Karte von 1846 (Kartengrundlage: Topographische Karte der Gegend von Hohnstein und Schandau 1846, Sammlung SLUB / Deutsche Fotothek, online unter http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90010614)

Heutiger Blick auf den Bereich der "König Anton Fundgrube": Die Baumgruppe rechts (östlich) der Straße markiert etwa die Lage des ehemaligen Schurfschachtes, der eigentliche Stollen hatte sein Mundloch etwa am linken (westlichen) Bildrand, noch weiter westlich (und hier nicht im Bild zu sehen) befindet sich das Mundlich des noch unbenannten Stollens auf dem Eisenkieslager

Interessant ist, dass fast unmittelbar unterhalb der heutigen Seidewitztalbrücke der Autobahn Dresden-Prag am östlichen Steilhang der Seidewitz ein weiterer Stollen eines bislang namentlich nicht zuordenbaren Kleinbergwerks liegt. Zwar verortet die Topographische Karte von 1944 hier die "König Anton Fundgrube", es ist allerdings zweifelhaft, ob es sich tatsächlich um einen Erb- oder Erschließungsstollen dieses Bergwerks handelt, da der Stollen immerhin über 400 Meter entfernt vom o.g. Erzlager der "König Anton Fundgrube" liegt. Wir sehen ihn deshalb nicht als unmittelbar zu diesem Bergwerk gehörig an. Eventuell handelt es sich aber um ein zweites Kleinbergwerk, welches Richard Beck in der Erläuterung der Geologischen Karte/Blatt 83 Pirna 1892 im Zusammenhang mit der "König Anton Fundgrube" erwähnte: "Weiter nordwestlich war im unteren Theile der Schubschlucht ein ebenso streichendes Schwefelkieslager aufgeschlossen."

Wer diesen Betrieb in Auftrag gab und wann dies geschehen war, ist nicht bekannt. Es kann jedoch ein ähnliches Alter wie bei der nahen "König Anton Fundgrube" angenommen werden.

Was lässt sich "vor Ort" heute noch entdecken? Der Stollen verläuft verhältnismäßig gerade in südöstlicher Richtung und endet nach ca. 50-60 Metern blind. Ausgehend vom Mundloch erreicht man nach gut 10 Metern eine kleine Weitung, an der sich rechterhand ein Gesenk von ca. 1 x 1,50 Meter befindet. Offenbar gelangte man hier mittels einer Fahrung auf eine 4-5 Meter tiefere Sohle. Allerdings ist dieser Bereich abgesoffen, so dass keine genaueren Aussagen getroffen werden können. Es hat jedoch den Anschein, dass hier eine zweite Strecke erschlossen wird, die dem Wasserstand zu urteilen jedoch ohne eigenes Mundloch angelegt wurden. Am Talhang war unterhalb des eigentlichen Mundloches kein weiterer Zugang und auch kein Wasseraustritt festzustellen. Wie also während des Betriebes das Wasser abgeführt wurde, bleibt vorerst offen. Der obere Stollen jedenfalls ist ausgesprochen trocken, so dass die Wasserhebung vielleicht aufgrund des wenig durchfeuchteten Gesteins in diesem Hangbereich durch manuellen Betrieb gewährleistet werden konnte. Grundsätzlich wirft die Lage des Stollens am schwer zugänglichen Steilhang und auch der fehlende Haldensturz noch Fragen auf, die wenn überhaupt nur im Bergarchiv beantwortet werden können. Vielleicht kann der Stollen nach Aktenstudien auch einen Namen erhalten...

Die nachfolgenden Fotos vermitteln einige Impressionen aus diesem kleinen Bergwerk.


im Mundlochbereich des Stollens

Blick vom Mundloch in den Stollen, rechts das Gesenk

im hinteren Bereich des Stollens

Die Stollensohle war bei mehreren Befahrungen völlig trocken und ohne Anzeichen einer früheren Entwässerung

im hinteren Bereich des Stollens

im mittleren Bereich des Stollens

Blick in den Stollen, rechts das Gesenk

Blick in den Stollen, rechts das Gesenk

Blick in das Gesenk mit der (vermuteten) abgesoffenen zweiten Sohle

noch einmal der Blick in das Gesenk, bei deutlich gestiegenem Wasserstand war hier leider ein Fuchs drin verendet

Arbeitsspuren der Altvorderen

ein Schlafgast
 

Literatur

Hermann Müller: Über die Erzlagerstätten in der Umgegend von Berggießhübel. Leipzig 1890 (online unter http://digital.slub-dresden.de/id322512859)