Der Goldbergbau am Berg Roudný

 

Am Berg Roudný befand sich eines der bedeutendsten und am längsten aktiven Bergbaureviere auf Gold in ganz Böhmen. Ende des 19. Jahrhunderts war das hiesige Bergwerk der wichtigste Goldproduzent Mitteleuropas. In den 1920er Jahren wurde hier sogar die größte Ausbeute des gesamten europäischen Kontinents erzielt. Die Gewinnung von Gold begann vermutlich schon in keltischer Zeit, als auf dm Berg Blaník ein bedeutendes Oppidum entstanden war. Damals wurde das Gold durch Seifen in den Wasserläufen gewonnen.

Geologie
Die Lagerstätte des Roudný liegt im ansonsten in geoogischer Hinsicht eintönigen Gebiet des Moldanubikums. Hier treten biotitisch-migmatitischeParagneise des Paläozoikums und Proterozoikums auf, die jedoch stark von verästelten aderförmigen Störungen durchzogen sind. Die Golderze wurde durch hydrothermale Lösungen gebildet, die im Zusammenhang mit intrusiven Prozessen auftraten, die zur Entstehung des Orthogneismassivs des nahen Berges Blaník führten. Die heißen Lösungen zirkulierten in Rissen und Spalten, wo so Quarzadern mit reichlich Pyrit, Arsenopyrit und Gold entstanden.

Mittelalter
Zu den ersten schriftlichen Belegen für den Bergbau auf dem Berg Roudný zählt ein Dokument des Königs Johann des Blinden von Luxemburg (Jan Lucemburský) aus dem Jahr 1337. Es handelt sich  um eine Auflistung der Bergwerke welche vom König an Peter II. von Rosenberg (Petr z Rožmberka) verpfändet waren. Die Nennung des Bergwerks am Karrenberg (Kamberk) dürfte sich wohl auf den Standort des heutigen Roudný beziehen. Der Abbau erfolgte in dieser Zeit im Umfeld der Gebiete, an welcher das Lager bis an die Erdoberfläche trat und wo man noch heute eine große pingenartige Vertiefung findet (genannt "Velký obval"). Vermutlich endete diese spätmittelalterliche Bergbauperiode mit den Hussitenkriegen. Man nimmt an das bis dahin eine Menge von ca. 1.500 kg Golderzes gefördert worden ist.

18. Jahrhundert
Weitere greifbare Angaben existieren erst wieder ab dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Es geht dabei um Aufzeichnungen über die Abgabe von Gold an das Prager Münzhaus. Diese Dokumente stammen aus den Jahren 1769-1804, als dass in Wlaschim (Vlašim) ansässige Adelsgeschlecht der Auersperger die Bergwerke in Betrieb hielt. In dieser Zeit erfolgte der Abbau bereits ausschließlich unter Tage. Die Förderung wurde 1804 vermutlich aufgrund der Erschöpfung der damals aufgeschlossenen Erzlager eingestellt. Der Bergbau unter den Auerspergern erfolgte in Teufen von bis zu ca. 80 m (Václav- / Wenzel-Schacht), wobei eine Ausbeute von mehr als 21 kg reinen Goldes erzielt wurde.

19. Jahrhundert
Nahezu das gesamte 19. Jahrhundert blieb der Berg Roudný verlassen, bis 1896 der Abbau durch die Einrichtung des Jindřiška-Schachtes (Henriette-Schacht) erneut aufgenommen wurde. Als Betreiber war das ursprünglich in Memel zur Bernsteinförderung gegründete Unternehmen Stantien & Becker aktiv. Zunächst konnte jährlich um die 8 kg Gold gewonnen, während die Produktion allmählich auf etwa 45 kg gesteigert werden konnte. Der Betrieb wurde jedoch im Jahr 1901 aufgrund des plötzlichen Todes des damaligen Eigentümers Moritz Becker unterbrochen.

20. Jahrhundert
Im Jahr 1903 erwarb eine englische Gesellschaft das Bergwerk für 600.000 Reichsmark, welche es im Laufe diesen Jahres die Betriebseinrichtung modernisierte und eine neue Aufbereitungsanlage sowie Verwaltungsgebäude am südöstlichen Hang des Berges errichtete. So konnte 1904 die Förderung wieder aufgenommen werden. Das Bergwerk beschäftigte etwa 400 Arbeiter. Die Abbautätigkeit kulminierte vor dem 1. Weltkrieg im Jahr 1913, als 325 kg Golderzes ausgebracht wurden. Im Laufe des Weltkrieges wurde der englische Eigentümer als Mitglied einer feindlichen Macht von dem Betrieb des Bergwerks entbunden. Der Einfluss der allgemeinen Wirtschaftskrise und eines Anstiegs der Preise erzwang, dass nur die reichhaltigsten Partien des Erzlagers bebaut wurden und eine Investition in die Modernisierung des Bergwerks unterblieb. Diese ungünstige Situation blieb auch nach Kriegsende bestehen, als der Goldpreis stagnierte. Der Absturz des Goldpreises im Jahr 1922 führte sogar dazu, dass der Betrieb für 9 Monate gänzlich eingestellt werden musste.
Im Jahr 1929 erhielt das Bergwerk einen neuen Eigentümer. Trotz zahlreicher Versprechungen des neuen Besitzers blieben Investitionen in eine Modernisierung und die Auffahrung neuer Sohlen aus, so dass die Betriebseinstellung im Jahr 1930 die Folge war. Obwohl in den folgenden Jahren einige Lagerstättenerkundungen durchgeführt wurden und die Betriebsanlagen an das Elektrizitätsnetz angeschlossen wurde, kam es bis zu Beginn des 2. Weltkrieges nicht zu einer Wiederaufnahme der Abbautätigkeit. In den Jahren 1904-1930 waren insgesamt mehr als 660.000 Tonnen Erzes gefördert wurden, welche 5,7 Tonnen Gold erbrachten.

Nach 1939
Im Jahr 1941 wurde das Goldbergwerk Roudný der Protektoratsadministration für Bergbau in Liboun-Bořkovice unterstellt. Es wurden Arbeiten an den Stollen Moritz und Barbara ausgeführt sowie insbesondere ein neuer Bau zur Entwässerung aufgefahren. Schrittweise wurden so einige Erkundungssohlen eingerichtet. Eine letzte Serie von Erkundungsarbeiten wurde noch in den Jahren 1987-1990 durchgeführt. Nach der politischen Wende zu Beginn der 90er Jahre kam es zum steigenden Interesse an den Erzlagern, v.a. durch ausländische Gesellschaften. Untersuchungsarbeiten wurden nach und nach durch die Firmen McHarrison, Fargo Mining und Prisma beantragt. Keinem dieser Anträge wurde stattgegeben, so dass das Erzlager bis heute verlassen blieb, obwohl hier bedeutende Reserven an Golderzen verblieben.

Große Pinge (Velký obval / Velká propadlina)
Die bemerkenswerteste Oberflächenform auf dem Berg Roudný stellt die große Pinge am nordwestlichen Hang dar. Es handelt sich um eine Senke von ca. 150 x 60 m, deren östliche Wand einst bis zu 30 m hoch war. Wahrscheinlich entstand dieser Bereich durch den mittelalterlichen Abbau, welcher in einer Zone erfolgte in der das Erzlager an der Oberfläche ausstrich und einer starken Verwitterung unterlegen war. Das damals geförderte Material wurde zur Aufbereitung in das Tal des Baches Roudenský potok befördert. Nachdem die oberflächennahen Partien abgebaut waren, ging man zum Abbau mittels Stollen und Schächten über. Überreste dieser mittelalterlichen Tiefbautätigkeit wurden im 18. und 20. Jahrhundert auf den 60 m Sohlen gefunden. Der Bergbau des späten 19. Jahrhunderts sowie insbesondere des Zeitraums 1904-1930 überprägte die Altbergbaubereiche jedoch stark, da die alten Pingen oftmals für Erkundungsarbeiten neu geöffnet wurden. Anschließend wurden sie oft wieder mit Abraum verfüllt.

Historischer Grubenriss - entstanden nach Anlegung des Wenzel-Schachts 1784. Er umfasst auch das Areal der Großen Pinge (Bildquelle: Infotafel vor Ort)


Eine Besonderheit war, dass Ende des 19. Jahrhunderts eine der alten mittelalterlichen Stollen, welcher in die große Pinge mündete, von einem Einsiedler namens Zemánek bewohnt wurde.

Im Stollen No. 3 wohnte Ende des 19. Jahrhunderts ein Einsiedler. Leider ist das Mundloch des Stolens heute verbrochen. (Bildquelle: Infotafel vor Ort)

Henriette-Schacht (šachta Jindřiška)
Der Henriette-Schacht wurde 1894 am nordwestlichen Hang des Roudný abgeteuft. Während des Betriebs in den Jahren 1895-1901 diente er als Hauptförderschacht, später - nach der Übernahme durch die englische Betreibergesellschaft - nur noch als Wetterschacht. Das Areal wurde daher fortan auch "Altes Bergwerk" genannt. Das Schachtprofil betrug 4 x 2 m. Die Aufbereitungsanlagen um den Henriette-Schacht wurden größtenteils bereits vor dem 2. Weltkrieg abgerissen.

Gesamtansicht der Bergwerksanlagen am Roudný mit dem Alten Werk (Henriete-Schacht) im Vordergrund und dem Neuen Werk (Wenzel-Schacht) im Hintergrund am oberen Hang. (Bildquelle: Infotafel vor Ort).

Grubenriss mit Henriette-Schacht (links) und dem neuen Wenzel-Schacht (rechts). (Bildquelle: Infotafel vor Ort).



Wenzel-Schacht (šachta Václav)
Der Wenzelschacht wurde im östlichen Bereich des Erzlagers abgeteuft. Er entstand ab 1784 unter der Administration der Auersperger und diente zunächst der Bewetterung. Nachdem die englische Betreibergesellschaft 1903 das Bergwerk übernommen hatte, wurde der alte Schacht zum Hauptförderschacht ausgebaut. Das Profil betrug seither 2,2 x 4,9 m bei einer Teufe von 112 m. Die Abbausohlen wurden in der Folge in Bezug auf diesen Schacht nummeriert. Im Jahr 1905 wurde eine weitere Abteufung bis auf eine 170 m-Sohle vorgenommen. Über dem Schacht entstand ein neuer Förderturm aus gewalztem Eisen. Die Achse der Seilscheibe lag in eienr Höhe von 20 m und die gesamte Scheibe hatte einen Durchmesser von 1.600 mm.  Eine Dampfmaschine mit 84 PS sorgte für den Antrieb. Der Dampf zum Antrieb wurde über eine 150 m lange Leitung von den Kesseln dr Elektrozentrale zugeführt. In einer Höhe von 11,8 m war eine Holzbrücke angelegt, auf welcher die ausgebrachten Erze mittels Wagen zu eienr Kippvorrichtung verbracht werden konnten, die in die Sortieranlage mündete.
Im Laufe der Zeit wurden die Golderze auf ingesamt 14 Sohlen in Teufen von 60 - 420 m gefördert. Auf eienr neuen Sohle wurde ein Graben bis zur nächsten Störung angelegt. Auf dem entstandenen Gang wurden dann Kamine zur nächsthöheren Sohle ausgehauen. Normalerweise waren diese 10-20m voneinander entfernt. Ausgehend von den Kaminen entwickelte sich dann ein selbstständiger Abbau, wenn rüchschreitend Kammern von 4 m breite und 2-3 m Höhe ausgehauen worden. Die Anlegung der Sprenglöcher wurde per Hand mit Bohrern und Fäusteln ausgeführt. Nur zur Anlegung der Kamine wurden pneumatisch betriebene Bohrer verwendet.

Die Förderung erfolgte untertage in solchen Abbaukammern. (Bildquelle: Infotafel vor Ort)


Die Abbauorte lagen in felsigen und sandigen Partien. Weil das Gold meist nicht mit bloßem Auge wahrgenommen werden konnte richtete man sich beim Abbau nach Analysen, die täglich mit dem ausgebrachten Material durchgeführt wurden. Nach dem Krieg wurde der Förderturm abgerissen und der Schacht durch eine noch heute sichtbare Betonplombe versiegelt. Erhalten blieben darüber hinaus nur Mauerreste des Maschinenhauses.

Blick über die Große Pinge ("Velký obval") zum Wenzel-Schacht. (Bildquelle: Infotafel vor Ort)

DIe Betriebsanlagen des Wenzel-Schachts im Überblick: v.l.n.r: Maschinenhaus mit der Dampfmaschine zum Antrieb des Aufzugs; Förderturm; Sortieranlage (über eine Holzbrücke mit dem Förderturm verbunden); Laboratorium; Förderbrücke von der Sortieranlage zur Aufbereitung; Verwaltungsgebeute; Elektrozentrale mit hohem Schornstein neben der Halle der Aufbereitung. (Bildquelle: Infotafel vor Ort)

Aleš-Schacht (šachta Aleš)
Nach der Wiederinbetriebnahme des Bergbaus durch die englische Gesellschaft 1903 ging der Abbau rasch in große Tiefen, da das Erzlager steil einfiel. Nach dem Auffahren einer 170m-Sohle wurde 1905 mit dem Abteufen eines Blindschachts namens Albert begonnen. Bei der Betriebseinstellung 1930 hatte man hier eine Teufe von 360 m (im Bezug auf den Wenzel-Schacht) erreicht. Während der in der Nachkriegszeit erfolgenden Forschungsarbeiten wurde entschieden, den Albert-Schacht bis zur Oberfläche durchzuschlagen, weil der Wenzel-Schacht nicht mehr fahrbar war. 1951 wurde über dem vollständig hergestellten Schacht, der nun den Namen Aleš erhielt ein 11 m hoher Förderturm errichtet. Die Erkundungsarbeiten erfolgten bis 1956, wobei eine maximale Teufe von 510 m erreicht wurde. Der Schacht wurde anschließend mit einer Betonplombe versiegelt.

 

Schema des Aleš-Schachtes. Mit ihm konnte das Erzlager in deutlich größeren Teufen (bis Sohle 15) erkundet werden. (Bildquelle: Infotafel vor Ort)

 

Heutiger Zustand des Areals (März 2015)


Der Ausgangspunkt des Bergbaulehrpfades am ehem. Henrietten-Schacht.

Standort Henrietten-Schacht.

Standort Henrietten-Schacht.

Blick in die Große Pinge.

In der großen Pinge.

Bruchwand in der großen Pinge mit dem verbrochenen Mundloch des Stollens No. 3

Unter diesem Schutt liegt das Mundloch des Stollens No. 3.

Aufstieg von der Großen Pinge zum Wenzel-Schacht.

Aufstieg aus der Großen Pinge zum Wenzel-Schacht.

Blick vom Wenzel-Schacht in die Große Pinge.

Halde am Wenzel-Schacht.

Der versiegelte Wenzel-Schacht.

Infotafel vorm Wenzel-Schacht.

Mauerreste des Laboratoriums am Wenzel-Schacht.

Verwaltungsgebäude des Wenzel-Schachts.

mittelalterliche Abbaubereiche in der großen Pinge ("Velký obval")
 


Quellen und weiterführende Literatur
http://muzeum.mineral.cz/hornictvi/zlaty-dul-roudny/stredovek.php
http://muzeum.mineral.cz/hornictvi/zlaty-dul-roudny/historie.php
http://muzeum.mineral.cz/hornictvi/zlaty-dul-roudny/technologie.php

Infotafeln des Bergbaulehrpfades vor Ort