Die Kalklagerstätte Draisdorf

Über das Kalksteinlager wird in den Erläuterungen zur Geoogischen Karte bemerkt, dass die Beschaffenheit dem Auerswalder Lager gleicht. Die dortigen Kalkbrüche sind in einer sehr ausführlichen und gut aufbereiteten Publikation von Baldauf & Mitka 2013 beschrieben worden: http://www.unbekannter-bergbau.de/inhalte/Kalkwerk%20Auerswalde.pdf
Über den regionale Zusammenhang wird bei diesen Autoren ausgeführt: "Dieses Kalksteinlager stellt sich als eine aus mehreren Lagen bestehende, im äußeren Kontakthof des sächsischen Granulitgebirges befindliche Struktur dar, die sich vom oberen Biensdorfer Tal über Ottendorf, Auerswalde, Draisdorf bis Niederrabenstein fortsetzt. Die Mächtigkeit und Beschaffenheit des Kalksteinlagers ist dabei sehr stark schwankend. Mitunter besteht das Lager aus einzelnen Gängen wie in Draisdorf oder vereinigt zu einer größeren Struktur wie in Ottendorf oder Auerswalde."
Die Kalksteine der genannten Lager sind im Allgemeinen von weißer bis blaugrauer Farbe, sehr feinkörnig und ebenflächig geschichtet. Das Draisdorfer wird dabei aus mehreren sehr schmalen Gängen aufgebaut, die nie 2 m Mächtigkeit überschreiten. Es wird von grünlichgrauen Hornblendeschiefern und Phylitten begrenzt die in einem Winkel von ca. 35 Grad in Richtung Ostsüdost einfallen.


 

Darstellung Draisdorfs und der zugehörigen ehemaligen Kalkbrüche nördlich des Dorfs (östlich des unteren Wittgensdorfer Bahnhofs) im Messtischblatt, Ausgabe 1940.

Die Draisdorfer Kalkbrüche liegen gut einen halben Kilometer nördlich des Dorfes und somit eigentlich näher zu den unteren Häusern Wittgensdorfs. Tatsächlich handelt es sich jedoch um den nördlichsten Teil der Draisdorfer Flur, welche, anders als es die Dorfstruktur erwarten lässt, durch parallele Hufen gegliedert war, die von der Chemnitz aus gen Nordwesten verliefen. Das Messtischblatt zeigt den noch heute vorzufindenden Zustand der Kalkbrüche, als langgestreckter Bereich am Osthang des Chemnitztals.
Nach einer Beschriebung durch Kretschmar im Jahre 1822 (Buch: "Chemnitz, wie es war und wie es ist") erfolgte schon damals die Gewinnung in "bergmännischer Art". Die Sächsischen Meilenblätter stellen jedoch auch Steinbrüche dar, so dass davon auszugehen ist, dass - ähnlich wie an vielen anderen sächsischen Standorten - die Kalksteingewinnung im Tagebau begann und dann in einen Tiefbau überging. Diese Tiefbaue müssen schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht umfangreich gewesen sein, denn der Dichter Friedrich Freiherr de la Motte hob in seinen Reiseerinnerungen die ausgedehnten Weitungen der Draisdorfer Kalkgrube hervor.


Im Meilenblatt ist ein oberer und ein unterer Abbaubereich zu erkennen. Der untere Kalkbruch liegt direkt an der von Draisdorf heranführenden Talstraße, an welcher auch ein Kalkofen verzeichnet ist. Auf dessen Standort deuten ein aus dem Bruch führender Fahrweg sowie überwachsene Bodenunebenheiten direkt neben der Straße hin.

 

Über die Draisdorfer Kalkbrüche scheinen insgesamt nur wenige Dokumente vorzuliegen. In den Beständen der Sächs. Staatsarchive haben wir bis jetzt nur ein einziges Dokument entdeckt:
30008 Amt Chmenitz (Justiz- und Rentamt) - Nr. 1522: Caspar Abraham von Schönberg gegen Johann Georg Grüntzig in Draisdorf wegen eines Kalkbruch (Zeitraum 1715-1716)
Ohne diese Akten bisher eingesehen zu haben, deutet der Titel bereits darauf hin, dass der im benachbarten Wittgensdorf ansässige Grundherr von Schönberg Ansprüche auf den zunächst bäuerlichen Kalkbruch machte. Eine weitere Akte aus dem Hauptstaatsarchiv Dresden deutet dann weiter darauf hin, dass der Draisdorfer Kalkbruch später im Besitz der Herren zu Schönberg war:
10084 Appellationsgericht - Nr. 11151: v. Schönberg auf Wittgensdorf . /. Marie Ros. Kleeberg wegen eines Fahrweges vom Kalkbruch zu Draisdorf (Zeitraum: 1789)

Heutiger Zustand
Die Draisdorfer Kalkbrüche wurden 1993 zum Flächennaturdenkmal erklärt, was auf botanische und faunistische Besonderheiten zurückzuführen ist. Die Abbaubereiche sind von der Straße aus gut zugänglich, wobei direkt an der Straße an einer Bruchwand der einzige heute noch erkennbare Zugang zu einem Tiefbaubereich liegt. Es handelt sich um eine stollenartige Öffnung, die leicht abwärts führt, aber aufgrund der Verschüttung mit Abraum nur wenige Meter einsehbar ist. Interessant dabei ist, dass man sich hier bereits auf dem Niveau der Bachaue befindet, weshalb ein in die Tiefe führender Abbaubereich sicherlich eine Hebung des Grundwassers benötigte.
Geht man von der Straße aus weiter in das Bruchgelände hinein, so nimmt die Höhe der östlich liegenden Bruchwände zu und erreicht wohl bis zu 15 m. Im Bereich der höchsten Wände nimmt das Bruchgelände dann eine kesselartige Gestalt an.  Der nördlichste Abbaubereich ist hingegen durch einen Sattel abgetrennt, weshalb er allseitig steile Böschungen hat und die Form eines riesigen Trichters bzw. einer Pinge aufweist. Das es sich tatsächlich um einen eingestürzten Tiefbaubereich handelt ist durchaus denkbar, weil es schwer vorstellbar ist, wie in dem 'Trichter' ein Abrutschen von Schutt verhindert und das Ausfördern der gebrochenen Kalksteine realisiert worden sein könnte.
Am bemerkenswertesten an den Draisdorfer Kalkbrüchen ist das Relikt eines Kalkofens, welcher sich auf dem erwähnten Sattel befindet. Zweifellos muss dieser Ofen schon sehr alt sein, denn er weist noch die Merkmale der Grubenöfen auf: eine längliche in einem Abhang angelegte Mulde, deren Seitenwände mit Steinen ausgekleidet waren. [Vergleiche: http://www.bergbaufreunde-sachsen.de/kalkindustrie-des-eisengebirges.html Galerie ganz unten] An diesen Steinen ist noch ein Bezug mit verschlacktem Kalk feststellbar, wodurch die Nutzung der Grube als Kalkofen unverkennbar wird. Öfen dieser Art sind in Sachsen kaum mehr vorhanden bzw. bekannt. Ein vergleichbares Objekt liegt jedoch unterhalb der Talsperre Neunzehnhain (wird demnächst auf dieser Seite vorgestellt). Solche Grubenöfen waren an Kalkbrüchen bis in das 18. Jahrhundert verbreitet, wurden dann allerdings durch die kontinuierlich nutzbaren Trichteröfen ("Kalkschneller", Rüdersdorfer Ofen etc.) verdrängt.

 


Blick von der B107 in die ehem. Draisdorfer Kalkbrüche.






Blick auf die Bruchwände.

Blick auf die Bruchwände.

Blick auf die Abbauwände.

Blick auf den kesselförmigen zentralen Abbaubereich.

Der trichterförmige nördlichste Abbaubereich.

Der trichterförmige nördlichste Abbaubereich.

Blick auf den kesselförmigen zentralen Abbaubereich.

Vermutlich liegen hier die verschütteten Zugänge zu den Tiefbauen..

Die Abbauwände nahe der B107 - rechts lag die Zufahrt zum unteren Kalkofen.

Der obere Kalkofen (Typ: "Grubenofen").

Der obere Kalkofen (Typ: "Grubenofen") - gut sichtbar die verschlackten Seitenwände.

Der obere Kalkofen (Typ: "Grubenofen").

Der obere Kalkofen (Typ: "Grubenofen").

Der untere Ofen lag direkt an der Straße. Hier blieben nur Schutthaufen erhalten.