Die Kalklagerstätten bei Zaunhaus und Moldava

Der Abbaubereich bei Zaunhaus

Der Beginn des Kalkabbaus datiert vermutlich ins frühe 17. Jahrhundert.  Abgebaut wurde ein rein weißer, fein- bis kleinkristalliner Kalzitmarmor, der teils grau gefärbt, seltener auch durch Eisenoxide rötlich gefärbt war. Er kam als Bau- und Düngekalk zur Anwendung.

Um Zaunhaus wurde gleich an mehreren Stellen Kalkstein gefördert: Der bedeutendste Standort war der fiskalische Bruch nördlich des Gießhübels (A). Ledigliche kleine Abbaubereiche lagen südlich des Gießhübels (B) sowie am Hemmschuh (C & D). Auch der auf böhmischem Gebiet gelegene Kalkbruch erreichte nur eine geringe Größe (E). (Karte: Geologische Karte von Sachsen, Sektion 119 Altenberg-Zinnwald, aufgenommen 1906; http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90009057)

Kalkbruch Zaunhaus

Bereits 1625 wurde ein "Kalksteinbruch zum Zaunhauß" erwähnt. Sicherlich ist damit der Abbaubereich am Nordhang des Gießhübels am Teichweg gemeint. Unter den Kalksteinlagern um Rehefeld-Zaunhaus ragt dieser Standort durch die größe der ehemaligen Abbaubereiche hervor. Die in die umgebenden Phylitte eingeschalteten Kalksteinkörper sind auf einer Länge von 150-200 m bekannt, so dass von einem verhältnismäßig mächtigem Lager gesprochen werden kann, welches sowohl im Tage- als auch im Tiefbau bearbeitet wurde. Im 19. Jahrhundert stand das Kalkbergwerk unter staatlicher Regie, wobei das "fiskalische Kalkwerk" mit zwei sogenannte "Flaschenöfen" arbeitete, in welchen Kalkstein in periodischem Betrieb gebrannt wurde.

Bisher haben wir noch wenige Dokumente zu diesem Kalkbergwerk gesichtet. Aus dem Wenigen, was wir bisher wissen, sei jedoch auf eine Untersuchung aus dem Jahr 1857 hingewiesen, als ein Rentbeamter folgende Jahreskosten für die Produktion im Kalkbruch angab (die Angaben sind in Taler / Neugroschen / Pfennige gegliedert - die Kosten beziehen sich auf die Gesamtfördermenge des Jahres, welche sich auf 23 3/8 Ruthen Kalksteins belief):

 

19    14    -     Abfüllarbeiten und Wasserhebungskosten
5    28    1      Schneeschurlohn
686    7    5    Brecherlohn für 23 3/8 Ruthen Kalksteine
46    22    5    Einschlägerlohn hiervon
22    6    6       Beitrag zum Geräthe-Anschaffen u. Unterhaltung dess.
61    6    7 ½   Procentantheil von sämtlichen 23 3/8 Ruthen Kalksteine dem
                         Rentbeamten
9    20    -    \
                    >> Anth. Beitrag zur Besoldung dem Kalkbrenner u. Wochenlohn dem Bergsteiger
15    -    -    /
3    -    -            Antheil Äquivalent der Chausseegeld-Einnahme zu Hermsdorf
1    -    -            Antheil Bothenlohn
140    22    6   Zinßen zu 4 % vom Aufwande für den Wasserableitungsstolln an
_____________    3518 rl. 24 ngl. 8 d.
1011    8    ½
(1 Rute entspricht somit 43 rl. 7 ngl. 6 d.)

 

Einerseits geht daraus hervor, das in dem Bergwerk eine Wasserhebung erfolgte und auch ein Entwässerungsstollen angelegt worden war. Außerdem ist bezeichnend, welche großen Kosten allein durch das Beräumen des Schnees in dieser Höhenlage zu Stande kamen. Einen Hinweis finden wir auch zu den Besitzverhältnissen der Kalkbrüche am Hemmschuh. Diese gehörten offensichtlich auch dem Staat und die dortige Kalksteinförderung wurde in Zaunhaus gebrannt. Der Hemmschuh-Kalkstein war aber mit 40 Talern je Rute deutlich preiswerter, als der graue Zaunhäuser Kalkstein (= Dolomit), der  48 Taler kostete. Hochwertiger 'weißer' Kalkstein aus dem Kalkbruch in Zaunhaus kostete gar 58 Taler, was jedoch noch von den Steinen aus dem Hermsdorfer Kalkbruch übertroffen wurde, welche je Rute 68 Taler kosteten.

Heute sind die Abbaubereiche des Zaunhäuser Bruches teilweise verschüttet und die Bruchwände vielfach verrollt. Dennoch findet man noch einige Unterhöhlungen und einen erhaltenen Tiefbaubereich, der durch ein Eisengitter verwahrt ist. Allerdings ist hier auch starker Verbruch zu beobachten und die zur Sicherung des Hangenden eingebrachten Holzpfeiler vermitteln ein eher unsicheres Bild.

Lageskizze des fiskalischen Kalkbruchs Zaunhaus: A) SÜdteil mit Tiefbaubereich; C) Nordteil mit B) Unterhöhlungen.


Blick auf die Abbaubereiche des fiskalischen Kalkbruchs.

Zugang zu den Tiefbaubereichen im südlichen Teil des fiskalischen Kalkbruchs.

Blick auf die Tiefbaubereiche.

Die Tiefbaubereiche sind mit einem EIsengitter verwahrt.

Blick in die Tiefbaue des Zaunhäuser Kalkbruchs.

Im Südteil des Kalkbruchs existieren weitere verbrochene Abbaubereiche.

Unter den Überhängen führen Spalten teilweise noch tief hinab - allerdings zu schmal um sie zu befahren...

Zerrüttete Bruchände im oberen Teil des südlichen Abbaubereichs.

Der nördliche Abbaubereich vermittelt den Eindruck eines geräumigeren Tagebaus.

Linkerhand findet man hier einige Unterhöhlungen, die jedoch nicht sehr tief sind.

Der Blick in eine der Unterhöhlungen.

Blick über den nördlichen Abbaubereich zum Standort des ehem. Kalkwerks (rechts).

Der nördliche Abbaubereich im Überblick.

Blick auf die Unterhöhlungen im Nordteil des Kalkbruchs.

Blick in eine weitere Unterhöhlung.

Weit geht es da nicht hinein, da alles voll Schutt liegt.
 

 

Kalkbruch am Südhang des Gießhübels

Wer von Zaunhaus den im Tal des Großen Warmbachs entlang führenden Teichweg empor schreitet, wird auf markante Halden am linken Wegrand aufmerksam. Diese gehören zu einem kleinen Kalkbruch, der etwas versteckt weiter oben am Hang liegt. Wenn man sich die Mühe macht und um die Halden herum durch den Wald geht, wird man durch eine romantische Szenerie überrascht. Der ehemalige Kalkbruch ist mittlerweile abgesoffen, so dass in seiner kesselartigen Grube ein kleiner Waldsee entstanden ist, der durch einen kleinen Wasserfall permanent Zulauf erhält. Der Zugang zum Kalkbruch erfogte durch eine Einkerbung an der SÜdostseite, die heute ebenfalls durch Wasser gefüllt ist. Allerdings verliert sich der Wasserlauf unterhalb des Bruches wieder, so dass kein direkter Abfluss zum Warmbach zu entdecken ist. Dies führt zu der Überlegung, dass der Kalkbruch über einen möglicherweise noch in Teilen vorhandenen Entwässerungsstollen verfügt haben muss. Wenn man bedenkt, dass die Gegend generell sehr niederschlkagsreich ist und der Bruch direkt am Hangfuß liegt, so scheint es sehr wahrscheinlich, dass ein Entwässerungsstollen notwendig war, um den Betrieb im Bruch zu gewährleisten. Tatsächlich deuten Vertiefungen im Gelände einen Stollen an, der vom Bruch aus in süd-südöstlicher Richtung zum Großen Warmbach hin geführt haben könnte. Bisher haben wir leider noch keinerlei Dokumente über diesen Kalkbruch gefunden, so dass wir weder über Besitzverhältnisse noch über die Betriebseinrichtung genaueres sagen können. Sicher ist lediglich, dass im Meilenblatt ein Kalkofen verzeichnet ist, der etwas unterhalb am Teichweg lag. Im Geläönde ist denn auch tatsächlich der Standort erkennbar, wenngleich das Ofenrelikt stark verwachsen ist und keinerlei Mauereste vorhanden sind. Die Lage des Objekts am Hang ist aber idealtypisch mitsamt einer noch erkennbaren Zufahrtsrampe. Es dürfte sich zweifelsfrei um einen kleinen Kalkschneller gehandelt haben, in dem mit Kohle oder Koks gemischter Kalkstein gebrannt wurde.

Das Freiberger Exemplar des Sächsischen Meilenblattes zeigt den Kalkofen am Teichweg sowie einen heute nicht mehr aufzufindenen Ofen an der Mündung des Großen Warmbaches in die Wilde Weißeritz, welcher auf böhmischem Territorium lag. (Karte: Sächsisches Meilenblatt: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90011757)

Skizze des Kalkbrchs am Südhang des Gießhübels: Die orange Linie stellt den Verlauf eines Entwässerungsstollens dar, der durch Mulden im Gelände angedeutet wird.


Während links des Teichwegs markante Halden sichtbar sind, liegen rechts unscheinbare Mulden, die möglicherweise einen Entwässerungsstollen markieren.

Noch ein Blick auf die Halden nördlich (= rechts) des Teichwegs.

Blick in den abgesoffenen Kalkbruch.

Blick in den abgesoffenen Kalkbruch.

Blick in den abgesoffenen Kalkbruch. Auf der gegenüberliegenden Seite ist der Zugang zum Bruch erkennbar.

Ein kleiner Wasserfall sorgt für eine permanente Wasserzufuhr.

Kleine Mulden deuten auf einen verbrochenen Entwässerungsstollen hin.

Südwestlich des Kalkbruchs befand sich unmittelbar am Teichweg der zugehörige Kalkofen.

Eine kleine Mulde am Hang deutet auf den Ofenstandort hin.

Blick von oberhalb auf das vermutliche Kalkofenrelikt.

Die Pfeile markieren den Weg, auf dem die gebrochenen Kalksteine zum Ofen (X) gebracht worden.
 

 

Kalkbrüche am Hemmschuh

Die Abbaubereiche am Hemmschuhberg.

Hemmschuh - östlicher Abbaubereich

Folgt man von Zaunhaus kommend dem Kreuzweg in Richtung Moldava (Moldau), so kommt man am Südosthang des Hemmschuhberges an mehreren kleinen Kalkbrüchen vorrüber. Zunächst passiert man einen Abbaubereich, der durch kleine Bruchmulden und Brüche nördlich und südlich des Kreuzwegs gebildet wird. Da im nördlich des Wegs gelegenen Bruch (= oberer Bruch) eine Vertiefung zu finden ist, die als Schachtpinge gedeutet werden kann und auch sonst weitere pingenartige Strukturen im Gelände um die Brüche vorhanden sind, ist zu vermuten, dass hier auch Schächte oder Stollen angelegt worden sein könnten. Möglicherweise waren gar der obere und untere Bruch in dieser Weise verbunden. Da bisher keine Dokumente gesichtet worden sind, die nähere Angaben erhalten, bleibt dies alles jedoch Spekulation. Insgesamt sind alle Abbaubereiche stark verwachsen und die Bruchwände weitgehend verrollt. Es ist anzunehmen, dass die am Hemmschuh gelegenen Kalkbrüche in Regie des Fiskus geführt wurden und die hier gewonnen Kalksteine in den Öfen des Zaunhäuser Kalkwerks mitverarbeitet worden sind (siehe dazu das Kapitel "Kalkbruch Zaunhaus"). Dies dürfte spätestens ab 1840 bis höchstens um 1900 erfolgt sein. Die geringen Lager des Kalzitmarmors, mit einer Mächtigkeit von max. 5-6 m, die im ungebenden Phyilit bzw. Phylittglimmerschiefer lagen, dürften bereits nach wenigen Jahren des Abbaus erschöpft gewesen sein.

Lageskizze des nördlichen und östlichen Abbaubereichs.
 


Direkt am Kreuzweg liegt nördlich eine kleine Bruchmulde (A) sowie der Zugang einem Kalkbruch (B) und einige Halden (C).

Über die als Zugang fungierende Kerbe (B) erreicht man einen Kalkbruch, in welchem scheinbar eine Schachtpinge (A) liegt.

Südlich des Kreuzwegs liegt eine Bruchmulde (A) sowie ein länglicher Kalkbruch (B).

In dem kleinen Kalkbruch südlich des Kreuzwegs.

Blick auf den Kalkbruch südlich des Kreuzwegs.

Blick auf die Halde des südlich des Kreuzwegs liegenden Bruchs.
 

 

Hemmschuh - nördlicher Abbaubereich

Etwas oberhalb des Bruches mit der vermutlichen Schachtpinge ist ein weiterer Abbaubereich zu finden. Hier zeigt sich eine stark verrolte niedrige Bruchwand sowie eine kleine Halde, die möglicherweise auf einen Schacht zurückgeht.

Blick auf das nördliche Abbaugebiet aus östlicher Richtung.

Blick auf das nördliche Abbaugebiet aus westlicher Richtung. Rechts die möglicherweise von einem Schacht stammende Halde.

 

Hemmschuh - westlicher Abbaubereich

Der am westlichsten gelegene Bruch fällt besonders durch eine langgestreckte Halde auf, die südlich des Kreuzwegs aufgeschüttet wurde. Der Kalkbruch selber ist stark verwachsen und unübersichtlich gegliedert. An seinem hangseitigen Ende ist aber eine interessante Bruchwand zu finden, an der sich die geologische Situation nachvollziehen lässt.


Direkt am Kreuzweg fällt eine markante langgestreckte Halde auf.

Der Kalkbruch ist stark verwachsen und unübersichtlich gegliedert.

Bruchkante am oberen Ende.

Detailansicht der hinteren Bruchwand.

Blick von der oberen Bruchwand in Richtung Kreuzweg.
 

 

Kalkbruch Vápenice u Moldavy (Kalkofen bei Moldau)

Am Osthang des Tals der Wilden Weißeritz findet man oberhalb von Zaunhaus auf bömischem Territorium eine weitere Kalksteinlagerstätte. Genau genommen handelt es sich um zwei kleine Linsen grauen und weißen Marmors, die jeweils ca. 15 m Mächtigkeit besaßen und durch einen nördlichen und südlichen Bruch aufgeschlossen wurden. Bemerkenswert ist insbesondere der südliche Bruch, da auf dessen Bruchsohle offenbar eine Schachtpinge sowie eine nach Osten verlaufende Kerbe erhalten blieb, die möglicherweise einen verbrochenen Entwässerungsstollen markiert. Dafür spricht auch, dass am westlich unterhalb verlaufenden Forstweg Spuren im Gelände auf ein verbrochenes Mundloch hindeuten. Der Forstweg wurde hier sogar eigens mit einer kleinen Brücke versehen, obwohl eigentlich kein Bach den Weg quert. Eine unterhalb liegende Halde verhärtet zusätzlich die Vermutung, dass hier die AUsmündung eines zum Kalkbruch führenden Entwässerungsstollen lag. Über den Kalkbruch ist bisher insgesamt wenig bekannt. Sicher ist nur, dass er wohl schon 1840 bestand und ein zugehöriger Kalkofen bei den "Böhmischen Jägerhäusern" lag. Dieser Ofen ist zwar im Gegensatz zu den übrigen Öfen um Zaunhaus als einzigster noch in der Topographischen Karte von 1943 verzeichnet, dennoch dürfte die EInstellung des Betriebs weit früher, vermutlich bereits vor 1900 erfolgt sein. Denkbar ist außerdem, dass Kalksteine aus dem Kalkbruch nicht nur zu diesem Ofen, sondern auch zu jenem geliefert wurden, der sich unweit der Mündung des Großen Warmbachs noch auf böhmischer Seite befand (siehe Karte im Kapitel "Kalkbruch am Südhang des Gießhübels").

Der Kalkofen lag südlich der Brüche (blauer Stern) bei den "Böhmischen Jägerhäusern". Karte: Topographische Karte von Sachsen, Sektion 119, bearbeitet 1943)

Skizze der Kalkbrüche bei Moldava: A) nördlicher Bruch; B) südlicher Bruch; C) vermutliche Schachtpinge; D) vermutliches verbrochenes Mundloch eines Entwässerungsstollens (Verlauf gelb markiert)

 


Blick in den kleineren nördlichen Kalkbruch.

Blick in den kleineren nördlichen Kalkbruch.

Im südlichen Kalkbruch.

Diese Kerbe könnte ein Zugang zum Kalkbruch oder ein eingestürzter Entwässerungsstollen sein.

Blick in den südlichen Kalkbruch (Blick gen Süden).

Blick in den südlichen Kalkbruch mit der Schachtpinge auf der Bruchsohle.

Blick aus Richtung Süden in den südlichen Kalkbruch.

Auf der Bruchsohle des südlichen Kalkbruchs.

Am nach Zaunhaus führenden Waldweg scheint ein Entwässerungsstollen gemündet zu sein, dessen Mundloch mittlerweile verbrochen ist.

Links des Weges (= westlich) liegt eine Halde und rechts dürfte das Mundloch des Stollens gelegen haben.

Von den Gebäuden des Forsthauses "Am Kalkofen" sind nur noch Fundamente erhalten geblieben.
 


 

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