Der Bergbau am Erzberg (Krušná Hora) bei Neu-Joachimsthal (Nový Jáchymov)
 

Bereits für die Zeit der keltischen Besiedlung wurden durch archäologische Untersuchungen Nachweise für die Erzeugung eiserner Werkzeuge im unmittelbaren Umfeld des Erzberges* erbracht. Das Lager leicht schmelzbaren Eisenerzes war günstig gelegen, um mit den damals zur Verfügung stehenden Abbaumethoden eine Förderung in verhältnismäßig großem Maßstab gewährleisten zu können. Sicherlich war das Erzlager auch der Ausgangspunkt für die Entstehung der noch heute berühmten keltischen Burgstätte bei Stradonice an der Beraun (Berounka), die zu den bedeutendsten Oppida und wichtigsten Produktionsstätten ihrer Zeit zählte.

* Wir verwenden die Bezeichnung "Erzberg" als wörtliche Übersetzung des tschechischen Bergnamens "Krušná Hora". In alten Karten und deutschen Dokumenten aus der Zeit des aktiven Bergbaus wurde jedoch meist die eingedeutschte (aber nicht wörtlich übersetzte) Variante "Kruschna Hora" genutzt.

Ansicht des Erzbergs von Süden (Obecná skála bei Svatá). Deutlich sichtbar ist der langgestreckte Bergrücken mit dem Hauptgipfel (609 m ü. N.N.) links und dem Hudlitzer Berg rechts. Ganz rechts ist die Hudlitzer Kirche sichtbar. Die spitze Erhebung dazwischen ist der Hudlitzer Felsen (Hudlická skála).

Ansicht des Erzbergs von Osten über die Siedlung Karlov hinweg. Der Bergrücken des Erzbergs geht nach links über einen Sattel zum Hudlitzer Berg über. An dessen Fuß sind die Häuser Neu-Joachimsthals sichtbar.


Nach den Kelten führte die slawische Bevölkerung die Produktion hauptsächlich landwirtschaftlicher Geräte weiter. Auch während der gesamten später folgenden Feudalzeit blieb die Nutzung der Erzlager bestehen. Historische Quellen sind jedoch außerordentlich selten, was unter anderem daran liegt, dass Eisen neben anderen Metallen nicht unter das königliche Bergregal fiel und somit den Grundstückseigentümern zur freien Verfügung stand. Somit entstanden kaum Aufzeichnungen und Register, die in amtlichen Archiven hätten erhalten bleiben können. Die älteste Erwähnung über den Bergbau am Erzberg ist mit dem Jahr 1417 verbunden. Das hiesige Erzlager diente der Versorgung sämtlicher Eisenwerke im Bezirk Podbrdy und war somit eines der bedeutensten Lagerstätten Böhmens. Der kaiserliche Gouverneur der hiesigen Herrschaft Jan Kolenec z Kolna berichtete zum Jahr 1651, dass seit einer Reihe von Jahren die Erzförderung bei Hudlitz (Hudlice) und Otrotschin (Otročiněves) auf dem sogenannten "štok" erfolgte. Im Urbarium der Herrschaft Königshof (Králův Dvůr) ist zum Jahr 1652 vermerkt, dass die Hüttenwerke Karlshütte und Althütte Eisenerze vom Erzberg erhalten. Die eben genannte Althütte befand sich bei Hiskau (Hýskov) an der Beraun. Sie ist bereits zum Jahr 1386 nachweisbar und gehört daher zu den ältesten Werke ihrer Art in diesem Gebiet. Sie war im Besitz der Familie Otta z Losu, ging dann an die königliche Kammer, später die Herrschaft Pürglitz (Křivoklát) und schließlich die Adelsfamilie Waldstein über. Die Neuhütte (im heutigen Nischburg / Nižbor) wurde direkt durch die Familie Otta z Losu gegründet. Mitte des 17. Jahrhunderts gelangte sie in die Hände der Magdalena Polyxena z Ladronu (Besitzerin des Freiguts Ladronka in Prag) und wenig später an die Herrschaft Pürglitz. Eine weitere Eisenhütte entstand um das Jahr 1660 in Hudlitz. Ihr Bestehen dauerte jedoch nur weniger als ein Jahrhundert, da Nachrichten aus dem Jahr 1750 sie bereits als "verlassen". beschreiben.


Die Familie Waldstein versuchte während ihrer Herrschaft über das hiesige Amt, die Naturschätze möglichst umfassend zu nutzen. In diesem Zusammenhang wurden die bisher eher primitiven Produktionsverfahren verbessert, so dass in der Nischburger Hütte ab 1706 schließlich eine Produktion von Waffen und Munition aufgenommen werden konnte. Nachrichten aus dieser Zeit bemerken jedoch, dass die Schächte nicht auf Teufen über ca. 30 m gebracht werden konnten, weil sie sich dann alsbald mit Wasser füllten und verlassen werden mussten obwohl noch reichlich Erz zum Abbau gestanden hätte. Man hatte daher nur die Möglichkeit jeweils einen neuerlichen Schacht anzulegen.
Im Jahr 1731 gelangte die Pürglitzer Herrschaft an die Familie Fürstenberg, deren erster Besitzer Fürst Egon von Fürstenberg, der obereste Burgraf zu Prag, war. Für den Erzberg bedeutete dies den Beginn eines umfangreichen Bergbaus mit der Ausbeutung der tieferen und reicheren Erzlager unterhalb der Grundwassergrenze. Im Jahr 1772 wurde auf der Lagerstätte der erste Erbstollen (welcher alle Einzellager überfuhr und wohl auch entwässerte) angelegt. Er trug den Namen Joseph und mündete im heute als "Cech" bezeichneten Bauwerk. Bereits nach zwanzig Jahren war er in einer Länge von 570 m vollständig aufgefahren. Die 80er Jahre des 18. Jahrhunderts können folglich als der Beginn der wirklichen bergmännischen Förderung am Erzberger Erzlagers gelten. Durch den Hauptschacht war das Adalbert-Lager (Vojtěšské ložisko) systematisch erschlossen. Mittels des Joseph-Stollens konnte über einen Querschlag das östlicher gelegene Grubenfeld erschlossen werden (Franz-Joseph-Lager / Františsko-Josefského ložiska).
Ein Meilenstein in der neuzeitlichen Bergbaugeschichte am Erzberg war die im September 1794 erfolge Verleihung einer Fundgrube mit 24 Maßen und einem Erbstollen durch das Bergamt in Pribram an die  Kammerherrschaft Sbirow (Zbiroh), welche im Besitz der Familie Coloredo-Mannsfeld war. In rechtlicher Hinsicht gehörte das daraus entstehende Bergbauunternehmen jedoch dem Staat, weshalb man von den äraren Grubenfeldern sprach. Sechs Jahre später ließ sich auch die Familie Fürstenberg das Bergrecht für ihre Grubenfelder erteilen. Nunmehr war das Bergbauareal am Erzberg zwischen zwei Besitzern aufgeteilt. Der Ostteil und der westliche Abschluss gehörte den Fürstenbergs, der mittlere Teil hingegen dem König. Die Grenze verlief etwa 300 m östlich der Achse des Josef-Stollens. Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts sicherte sich auch der auf dem Schloss Zbirow ansässige Unternehmer Bethel_Henry_Strousberg - eine neben bei bemerkt schillernde Persönlichkeit - einige Grubenfelder.

Übersicht über die Besitzsverhältnisse der Gubenfelder: königlich-kaiserliche Grubenfelder (blau); Fürstenbergische Grubenfelder (braun); Strousbergische Grubenfelder (gelb). (Bildquelle: Infotafel vor Ort)


Der zentrale Teil des zur Kammerherrschaft Zbirow gehörenden - und somit staatlichen Bergbauareals war der Hauptförderschacht. Er lag ca. 150 südwestlich der sogenannten Pyramide, einem Ort, an dem sich wichtige Forstwege kreuzen (siehe Abb.). Der Durchbruch zum Joseph-Stollen wurde in einer Teufe von 72 m erreicht. Betrieben wurde er mit einem Pferdegöpel, der über zwei Seiltrommeln verfügte (siehe Abb.).

An der "Pyramide" wurde während bergmännischer Feierlichkeiten ein Leuchtfeuer entzündet.

Historische Darstellung des Pferdegöpels auf dem Hauptschacht über dem Adalbert-Lager (Bildquelle: Infotafel vor Ort).

Mit dem Fortschreiten des Abbaus ergaben sich große logistische Herausforderungen. Besonders kompliziert war die Situation im Bereich des VIII. Schrägschachts. Das Haufwerk musste hier zunächst abwärts befördert werden und dann weiter auf einem Querschlag zum Joseph-Erbstollen, von wo aus es dann zum Hauptförderschacht zum Ausbringen verbracht werden konnte. Diese Situation führte zur Anlegung weiterer Schächte und Schrägschächte. Das war. bspw. der Joseph-Schacht, welcher ca. 150 m nordöstlich des Hauptförderschacht abgeteuft wurde. Weitere Anlagen hießen Anna-Schacht sowie  Anna- und Prokop-Schrägschacht. Der westlichste Teil des staatlichen Abbaugebiets lag im Gebiet des heutigen I. Abteufen auf dem Anna-Lager in einer Entfernung von etwa 750 m zum Hauptschacht. Zur Lagerstättenerkundung wurden die Schächte Franz I und II abgeteuft. Auf dem gesamten ca. 1,5 km langen Grubenfeld erfolgte der Abbau hauptsächlich im Bereich von der Oberfläche bis in Teufen bis zu 30, nur örtlich bis zu 70 m.
Neben dem bereits bestehenden Joseph-Stollen wurde ab 1829 durch Joseph Mayer ein zweiter Erbstollen aufgefahren. Unter dem Namen Franz-Stollen (František) wurde damit eine Sohle erschlossen, die 60 m unterhalb des Joseph-Stollens lag. Das Mundloch liegt ca. 1,5 km ostnordöstlich des Joseph-Stollens an einem als "Courka" bezeichneten Ort im Tal des Habrový potok. Der Stollen verlief nach Südwesten und erschloss den östlichsten Teil der Lagerstätte auf Höhe der 25. Sohle. Das Franz-Joseph-Lager wurde dabei nach einer Streckenlänge von 750 m im Jahre 1860 angefahren. Noch heute dient diese Anlage zur Entwässerung der 24. Sohle.
Um 56 m tiefer als der Joseph-Erbstollen wurde im Jahr 1830 am südlichen Ufer des ersten Neujoachimsthaler Teichs (Monstratenserteich) ein weiterer Stollen mit dem Namen Franz aufgefahren, welcher das Lager auf der Länge von einem Kilometer erschließen sollte. Das Vorhaben wurde allerdings 1852 nach dem Vortrieb auf 416 m Länge eingestellt. Weitere Stollen, die Ende der 50er Jahre vollendet wurden hießen Anton (Antonín) und Joachim (Jáchim). Sie erschloßen den Südflügel der Lagerstätte.


Seigerriss des staatlichen Bergwerks am Erzberg (Kruschna Hora) (Bildquelle: Infotafel vor Ort).

 

Die Verwaltung des Grubenbetriebs erfolgte im sogenannten "Berghaus". Es handelte sich um einen Bau, der dem äußeren nach als "Schlösschen" bezeichnet werden konnte. In diesem repräsentativen Gebäude befand sich das Grubenamt, unmittelbar im Anschluß an die Tagesanlagen des kaiserlichen Bergwerks. Um das Gebäude war ein kleiner Park angelegt und unterhalb lag ein kleiner Teich, dessen Damm noch heute erkennbar ist. Wegen der starken Unterhöhlung des gesamten Areals musste das "Schlösschen" in den 1960er Jahren schließlich abgerissen werden.

Das "Berghaus" bzw. "Schlösschen" mit dem Grubenamt auf einer historischen Ansichtskarte. Der Teich im Vordergrund ist noch teilweise erhalten. Vom Gebäude sind nur Kellerreste erhalten (siehe Bildgalerie).

Der Hauptschacht der Fürstenberger Gruben lag am Nordfuß des Erzbergs, wenig westlich der Fabrik Permon. Hier hatten bereits die Kelten erzhaltige Steine im Steinbruchbetrieb gewonnen. Dieses sogenannte Adalbert-Lager (Vojtěchské ložisko) gehörte zu den hochwertigsten. Der Hauptschacht diente nur der Förderung, so dass in 70 m Entfernung ein 30 m tiefer Fahrschacht eingerichtet werden musste. Schrittweise wurden von dessen Sohle 2 höher und 8 tiefer liegende Sohlen eingerichtet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte das Fürstenbergische Bergbauunternehmen dadurch bereits Tiefbaue von bis zu 197 m auf insgesamt 11 Sohlen aufgefahren. In den Jahren 1849-52 hat man in den bestehenden Bergwerken mit insgesamt 65 Bergleuten eine Ausbeute von 7.500 Tonnen Erz erzielt. Dank einer neu eröffneten Grube, in der im Tagebau Pelosiderit gefördert wurde, konnte die Fördermenge in den Jahren 1867-69 auf 17.500 Tonnen Erz bei 113 Bergleuten gesteigert werden. Mit der Einstellung der Neujoachimsthaler Eisenhütte zum Jahre 1877 (mehr dazu siehe unten) kam auch der Bergbau in Schwierigkeiten. Im Jahre 1889 wurde der Betrieb sogar gänzlich eingestellt.

 

Grubenplan des Fürstenberg'schen Abbaubereichs. Zu erkennen sind die unregelmäßigen Abbaue im oberen Lagerstättenbereich, die aus frühen Bergbauperioden stammen. In Teufen ab ca. 30 m begann ab der Zeit um 1800 eine systematische Erschließung auf Sohlen, von denen aus im Firstenbau der Abbau des schräg einfallenden Erzlagers erfolgte. (Bildquelle: Infotafel vor Ort)

Erst 1909 nahm der damalige Besitzer, die Böhmische Bergbaugesellschaft in Kooperation mit den Prager Eisenwerken den Betrieb wieder auf.
Während des 1. Weltkriegs arbeiteten aufgrund der zum Wehrdienst einberufenen Bergleute russische Kriegsgefangene in den Gruben. Außerdem waren zunehmend auch Frauen zum Sortieren der Erze eingesetzt. Nach Kriegsende wurde die Produktion wieder gesteigert, um  den Wiederaufbau der Wirtschaft in Gang zu bringen. Das zunehmende Auszehren der aufgeschlossenen Erzlager führte aber schon nach drei Jahren zur Produktionseinstellung. Nach zwei Jahren kam es aber zu einem neuen Bergbau-Boom, in dessen Folge nicht nur das Haldenmaterial neu sortiert und bei Eignung verwertet wurde, sondern auch das Grubenfeld deutlich vergrößert wurde. Die Jahresfördermenge kam so bald auf 10.190 Tonnen plus 800 Tonnen aus sortiertem Haldenmaterial. Damals erfolgten auch Probeschürfe auf dem gesamten 3 km langen Lagerzug des Erzberges. Dabei wurde eine maximale Teufe von 266 m (44. Sohle des Adalbert-Lagers) erreicht. Die Produktion stieg beständig an und erreichte 1928 mit der Jahresfördermenge von 205.000 Tonnen einen Höhepunkt. Obwohl die Weltwirtschaftskrise wiederum fast zur Betriebsstillegung führte, brachte die Vorbereitung auf einen Krieg zum Jahre 1936 zahlreiche technische Neuerungen der Betriebseinrichtung und der Bergbau wurde wieder voll aufgenommen.
Nach dem Krieg wurden die Unternehmen verstaatlicht und ebenfalls neue Investitionen getätigt. So wurden die Transportbedingungen verbessert, die Tagesanlagen erneuert und auch eine eigene Trinkwasseraufbereitung errichtet. Die Lagerstätte Erzberg beherbergte zu jener Zeit das umfangreichste aktive Bergbauunternehmen auf Eisenerze in Böhmen. Die Produktion erreichte in den Jahren 1957-61 ihren Höhepunkt, als jährlich über 385.000 Tonnen Erz ausgebracht worden sind. Durch den Beschluss der Regierung bezüglich unrentabler Lagerstätten im Jahr 1965, kam es zur geplanten Aufgabe des Reviers am Erzberg. Begründet war dies dadurch, dass die noch verfügbaren Lagerstättenbereiche nur noch geringe Erzgehalte aufwiesen und der Quarzgehalt allgemein sehr hoch lag, wodurch eine direkte Verwertung in den Hochöfen erschwert war. Die Konsequenz war die endgültige Stilegung des Bergbaus am Erzberg im Jahr 1968. Von den geschätzten 53 Millionen Tonnen Eisenerzes der Lagerstätte wurden bisher ca. 20 Prozent gefördert.

 


Zur Geoogie


Die wichtigsten Rohstoffe, welche der Bergbau am Erzberg erbrachte, waren Hämatit und Pelosiderit, welche ca. zwei Drittel der Gesamterzmenge ausmachten. Der andere Teil war Eisenspat bzw. Siderit (FeCO3). In geologischer Hinsicht handelt es sich bei der Lagerstätte um sedimentäres Eisen, welches in der Zone einer isolierten "ordovizischen Insel" inmitten des Proterozoikums im Nordwestflügel des Barrandium-Synklinoriums abgelagert ist. Als "ordovizische Insel" ist ein Rest ordovizischer Gesteine zu verstehen, welche der Abtragung entgangen sind. Sie besteht aus zwei langgestreckten Teilen: dem ca. 3,5 km langen Erzberg sowie einer 7 km langen mehrteiligen Zone vom Berg Wellis (Velíz) bis Petrovka.  Dies "Insel" streicht dabei in der Achse der Prager Störung von Nordost nach Südwest.

In der geologischen Karte ist die "ordovizische Insel" anhand der grünen und braunen Flächen deutlich erkennbar. Erkennbar ist ebenfalls das entlang der Achse der Prager Störung verlaufende Streichen. (Karte online verfügbar:http://www.geology.cz/app/ciselniky/lokalizace/show_map.php?mapa=g50&y=781388&x=1052610&r=10000&s=1&legselect=0)

 


Dieses im Bereich des Anna-Lagers gezeichnete Profil verdeutlicht das Wesen der "ordovizischen Insel" als Synklinale (nach unten gerichtete Falte) inmitten der umliegenden proterozoischer Gesteine (magenta), welche die Hochflächen der Pürglitzer Wälder bilden. Der Erzberg wird aus mehreren ordovizischen Gesteinsschichten aufgebaut: Die oberesten Gipfelflächen deckt Tonschiefer (braun); die Hänge werden aus Quarzsandsteinen gebildet (gelb); am Hangfuß streichen die sogenannten schwarzen Schiefer aus (blau), in welchen die Erzlager enthalten sind (rot); das Liegende wird von Basalten und Pyroklasika in Form von Granulit und Tuff gebildet, welcher nicht überall an der Oberfläöche ausstreicht (grün). (Bildquelle: Infotafel vor Ort)


Gewonnen wurden die Erze am Erzberg in zwei Lagern - die in das Große und Kleine Lager unterschieden wurden. Das Große Lager erstreckte sich über die gesamte Fläche des Berges und besaß eine bedeutend Mächtigkeit. Das kleinere Lager setzt sich aus mehreren, zumeist kleineren Linsen zusammen, welche jedoch in der Regel über höhere Gehalte an Eisen verfügen. Die gesamte Lagerstätte erstreckte sich mit einem Streichen in west-östlicher Richtung über eine Länge von gut 3 km. Die Mächtigkeit der Erzlager erreichte dabei 6-14 m. Die Erze des Erzbergs lassen sich in verschiedene Gruppen teilen, wie oolitischer Hämatit, gestreifter Hämatit (der den Hauptteil der Lagerstätte bildet), schiefriger Hämatit (der vor allem die unteren Bereiche der Lagerstätte aufbaut) sowie schiefriger Chlorit. Die reichsten Partien befanden sich in der Regel im Hangenden. Dabei wurden bei Mächtigkeiten von bis zu drei Metern Eisengehalte von etwa 30-33 % erreicht.

 


Zur Bergbautechnologie


Die Bergwerke am Erzberg zählten hinsichtlich ihrer Betriebseinrichtung zu den bedeutendsten in der Tschechischen Republik. Aus der Reihe der einzigartigen Anlagen zählen die von Gerstner entwickelte Maschine mit zwei konischen Trommeln, die erste Grubenbahn in Österreich-Ungarn sowie die Spanneisen-Seilscheibe von Karlík zum Antrieb des Endlosseils im 1. Schrägschacht. Die von Gerstner entwickelte und 1794 in Anwendung gebrachte Fördermaschine ermöglichte den Transport von 850 kg Erzes je Kübel. Die Maschine bestand aus einer spiralförmigen Trommel in Form zweier Kegelstümpfe die mit einer kleinen Welle verbunden waren. Nuten in beiden Kugelflächen dienten für das Auf- und Abwickeln der Förderkette. Auf der mittleren Welle lag eine Kette, die eine Förderung aus verschiedenen Teufen ermöglichte. Zur Einrichtung gehörte auch eine Bremsvorrichtung, die ein sofortiges Abstoppen in jedem Bereich des Schachtes möglich machte. Die Förderanlage verfügte über zwei Kübel. Eine spezielle Vorrichtung ermöglichte eine automatische Entleerung auf eine Rutsche, über welche das Erz direkt in Fuhrwerke geschüttet wurde. In einer 8-Stunden-Schicht wurden 58 Fahrten vollzogen, was ohne wesentliche Veränderungen an der Konstruktion über 29 Jahre erfolgte. Mit nur 2 Pferden wurden so täglich fast 50 Tonnen Erz ausgebracht.
Beachtlich war außerdem, daß bereits 1793 im Josef-Stollen eine Grubenbahn eingerichtet worden war. Diese war noch gänzlich - sowohl Schienen, als auch Wagen - aus Holz errichtet. Schon 1817 wurde dann eine Eisenbahn in Schmalspur eingeführt, welche die erste ihrer Art in Böhmen war. Beachtlich war auch die Errichtung einer Seilbahn, welche die Erze über 7 km bis zum Bahnanschluss in Königsaal beförderte. Die Anlage wurde 1911-12 von der Wiener Firma Pöhlig erbaut. Erhalten blieben Reste der Pfeiler am Waldrand des Hudlitzer Berges.
Ebenfalls wegweisend war die umfangreiche Erschließung des schräg einfallenden Lagers. Da gerade während der Frühpase des Bergbaus massige Erzpfeiler in den oberflächennahen Bereichen verblieben waren, machte man sich ab dem 19. Jahrhundert Gedanken über eine rationelle und systematische Erschließung des Lagers. Versuche dazu erfogten insbesondere in den noch unberührten Lagerbereichen. Verdient machte sich hier der Hofrat des Pribramer Bergamts Jan Grimm, welcher entscheidende Vorschläge lieferte. Schon 1842 schlug er einen schrägen Abbau vor, welcher stark den später umgesetzten Methoden ähnelte. Es handelte sich um Firstenbau, wobei der Versatz aus dem Hangenden ins Liegende gebracht wurde.

 


Geschichte der Neu-Joachimsthaler Eisenindustrie


Zur Neige des 18. Jahrhunderts befanden sich am Standort der späteren Siedlung Neu Joachimsthal lediglich Wiesen und Weideflächen. Zwar war das Vorkommen von Eisenerzlagern in der unmittelbaren Umgebung bereits lange bekannt und schon die hier ansässigen Kelten sowie später auch die Feudalherren, zu denen u.a. die Familien Ottové z Losu und Waldstein  gehörten, gewannen und nutzten die Eisenerze. Eine eigenständige Siedlung erwuchs daraus aber zunächst nicht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schlugen dann der Direktor der Technischen Universität Prag František Gerstner und der Schichtmeister in Neuhütten (Nová Huť bei Rokycany) Františèk Nittinger dem Besitzer der Herrschaft Pürglitz (Křivoklát) Egon Landgraf von Fürstenberg den Bau eines gänzlich neuen Eisenwerks vor. Der Plan gründete auf den Vorzügen eines nahen Erzlagers, reicher Holzvorkommen aus den umliegenden Wäldern, Wasserquellen, geeigneten Flächen zur Anlage der Gebäude und einer somit gewährleisteten Rentabilität des Vorhabens.
Nach der Zustimmung des Grundherren begann man im Jahr 1810 mit dem Bau des Gebäudes der Katasternummer 1, welches den Auftakt für die Entwicklung einer Siedlung bildete. Da der Hüttenbetrieb im sogenanten Joachimsthal (Jáchýmovské údolí) lag, entschied man sich dazu, den Namen Neu Joachimsthal zu wählen, um eine Verwechslung mit dem bedeutenden Bergbaustandort Joachimsthal (Jáchýmov) im Erzgebirge auszuschließen.
Nachdem 1819 das Eisenhüttenwerk vollständig errichtet war, entstanden im Umfeld Wohnhäuser für die Arbeiter sowie weitere Bauwerke für benachbarte Produktionszweige, wie bspw. eine Schmiede und ein Emailierwerk. Um permanent über ausreichende Mengen an Wassers verfügen zu können wurde das Flüsschen Habrovy potok (= 'Hainbuchen-Bach') in drei Teichen angestaut. Zur Hochzeit des Bergbaus in den 1860er Jahren arbeiteten hier ca. 1.000 Angestellte in den Berg- und Hüttenwerken sowie bei der Holzkohleproduktion in den umliegenden Waldungen der Pürglitzer Herrschaft.

Historische Darstellung der Fürstenberg'schen Eisengießerei mit den beiden Hochöfen. Rechts oben ist das umbaute Mundloch des Joseph-Stollens zu erkennen (heutige "Cech"). Links der Brücke das zugehörige Amtshaus (Bildquelle: Infotafel vor Ort).

Erhalten blieb bis heute nur das Amtsgebäude.


Nach erhaltenen Dokumenten wurden allein im Jahr 1851 insgesamt 1.262 Tonnen Eisenerz gefördert sowie 1.022 Tonnen Gußeisen hergestellt. Zur damaligen Zeit gehörte das Eisenwerk mitsamt den zugehörigen Funktionsbauten und der technischen Ausstattung zu den größten und modernsten Hüttenwerken in Europa. Der französische Sachverständige Fürst Buquoy meinte nach einem Besuch der Eisenhütte, er habe den "zweckmäßigsten Bau seiner Art auf dem europäischen Festland" gesehen.
Vor Ort wurde ein umfangreiches Sortiment an Produkten hergestellt, von Kunstgegenständen, Säulen, Denkmälern, Küchengeräten bis hin zu den größten und umfangreichsten, andernorts nicht produzierten Waren, wie Wellen, Rädern, Brückenbögen, Schienen, Rohren etc.. Das größte hier hergestellte Teil war ein 17 m hohes und 113 t schweres gußeisernes Denkmal, welches in Arbesau bei Teplitz (Varvažov u Teplic) 1825 im Andenken an die siegreiche Schlacht einer Armee von Karl Colloredo-Mannsfeld gegen französische Truppen im Jahre 1813 errichtet wurde. Die Produktion eines derartigen Objekts war nur möglich, da ein hochentwickeltes Ofensystem errichtet worden war, weches zwei Hochöfen kombinierte.

Historische Fotografie der Fürstenberg'schen Eisenhütte in Neu-Joachimsthal (Bildquelle: www.brdy.info).


Eine Erfolgsgeschichte der hier erzeugten Produkte waren auch die mit Emaile versehenen Eisengeschirre, welche in der Fabrik der Gebrüder Barthelmus produziert wurden. Im Jahr 1862 wurden bspw. 930 Tonnen derartiger Waren nach ganz Europa geliefert.

Die Eisengießerei und Emaile-Eisengeschirr-Fabriken Bartelmus in Darstellungen in firmeneigenem Werbematerial (Bildquelle: Infotafel vor Ort).


In den Hochöfen wurde als Flußmittel Kalk eingesetzt, der im nahen Kalksteingebiet des Böhmischen Karsts einfach gewonnen werden konnte. Der Kalkanteil betrug beim Schmelzen 12-15 %. Aus einem Kubikmeter wurden unter dem Einsatz von Holzkohle Mitte des 19. Jahrhunderts 130 kg Roheisen erschmolzen. Bis in die 1860er Jahre war das Neujoachimsthaler Eisenwerk hinsichtlich der Produktionsmenge das zweitgrößte in Böhmen.
Der Betrieb der hiesigen Eisenwerke endete im Jahre 1877 nach einer verschleppten Wirtschaftskrise, aber auch aufgrund von Hochwasserkatastrophen in den Jahren 1872 und 1876, bei welchen die Dämme der Teiche aufgerissen worden waren und die Wassermassen den Bauwerken großen Schaden zufügten. Der Hauptgrund für die Betriebseinstellung lag jedoch in technologischen Gründen.  Die neueingeführten Schmelztechnologien dieser Zeit setzten anstelle von Holzkohle auf Koks, was sich in den Neu-Joachimsthaler Hochöfen aber aufgrund ihrer Konstruktionsweise nicht realisieren ließ. Ein anderer Grund für den Umzug der Hütteneinrichtung nach Königshof (Králův Dvůr) waren die dort günstigeren Standortfaktoren, wie der Bahnanschluss und das größere Wasserdargebot des Flüsschens Litavka. Gleichzeitig zeigte sich rücksichtslos, dass die neu aufkommenden Kapitalgesellschaften zunehmend kapitalkräftiger wurden und sogar das Potenzial der Adelsfamilie Fürstenberg überstiegen.
Das Ende des Eisenwerks im Jahr 1877 führte zur Abwanderung der Arbeiter in Betriebsstätten der Umgebung, wodurch sich die Einwohnerzahl der Siedlung Neu-Joachimsthal verringerte. Die nicht mehr genutzten Betriebsanlagen wurden in der Folge schrittweise demontiert. Heute findet man von den Hochöfen nur noch marginale Reste einiger Stützmauern. Erhalten blieben lediglich eine Reihe steinerner Wohnhäuser  entlang der Straße nach Nischburg (Nižbor) sowie das Amtsgebäude. Im Gegensatz zur Eisenhütte blieb die Förderung des Eisenerzes aus den Bergwerken unter dem Erzberg (Krušná Hora), trotz einiger kurzzeitiger Niedergänge, bis ins 20. Jahrhundert bestehen und endete erst im Jahr 1967 (siehe Darstellungen oben).

 

Fotodokumentation der heutigen Situation

Zur Übersicht sollen die beiden historischen Karten dienen. In der jüngeren Karte (unten) sind Suchpunkte markiert, auf die sich die Bildunterschriften in der Galerie beziehen.

Die Karte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt die Aufgliederung des Erzlagers in das staatliche Grubenfeld (südlich) und das der Familie Fürstenberg gehörende Grubenfeld (nördlich). (Militärkarte der Franziszeischen Landesaufnahme 1836-52)

A) Erbstollen "Franz"; B) Standort des Fürstenberg'schen Eisenwerks; C) Erbstollen "Joseph"; D) Standort des modernen Bergbaubetriebs der 50er Jahre (Permon); E) Relikte der Erzseilbahn; F) Grubenfeld der Fürstenbergs; G) "Pyramide" und westlich davon das staatliche Grubenfeld; H) die nach 1900 aufgefahrende Gabriela-Grube (Kartengrundlage: Militärkarte der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme 1869-87)

 

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A)Das Mundloch des Franz-Stollens liegt auf einem Privatgrundstück und ist leider nicht direkt zugänglich.

A) Portal des Franz-Stollens.

C) Der Joseph-Stollen mündet unmittelbar in Neu-Joachimsthal.

C) In dem als "Cech" bezeichneten Gebäude befindet sich heute eine rustikale Kneipe.

D) Bergarbeitersiedlung.

D) Bergarbeitersiedlung

D) Verwaltungsgebäude des in den 1950ern errichteten Bergbauunternehmens.

D) Betriebsgelände des modernen Bergbauunternehmens. Hier begann die Erzseilbahn, die nach Königshof führte.

D) Halden oberhalb der Betriebsstätten

D) anstehendes Gestein

D) Reste der Schachtanlagen

E) Relikte eines Seilbahnpfeilers

E) Relikte eines Seilbahnpfeilers

E) Relikte eines Seilbahnpfeilers

F) Halden auf dem Fürstenberg'schen Grubenfeld am Hudlitzer Berg

F) Pinge auf dem Fürstenberg'schen Grubenfeld am Hudlitzer Berg

G) Stützmauer am ehem. Grubenamt

G) Stützmauer am ehem. Grubenamt

G) Reste der Tagesanlagen am ehem. kaiserlichen Grubenamt

G) Standort des ehem Grubenamts (sogenanntes "Berghaus")
 

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Quellen und weiterführende Informationen

Otomar Dvořák: Tajemné stezky - Křivoklátským královským hvozdem (2. Auflage, Prag 2014)
http://www.lomyatezba.cz/2014/2014-4/item/537-zeleznorudny-dul-krusna-hora
http://www.brdy.info/kapitoly/krusna_hora.php
http://www.mining.cz/TEXTY/KrusnaH/Krusnah.htm