Der Goldbergbau um das Bergstädtchen Neu Knin (Nový Knín)

 

Die Stadt Neu Knin (Nový Knín) zählte zu den vier mittelalterlichen Goldbergstädten auf dem Gebiet des böhmischen Königsreichs. Ein erster schriftlicher Beleg für die Stadt liegt aus dem Jahr 1186 vor, als hier Verhandlungen über einen Friedensvertrag zwischen Prinz Friedrich und dem mährischen Markgraf Konrad stattfanden. Der Beginn des Bergbaus dürfte im Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert erfolgt sein. Die ersten Standorte der Bergwerke lagen in zwei Arealen: auf dem Gebiet Alt Knin (Starý Knín) und dem Bergstädtchen Neu Knin (Nový Knín), die bereits 1331 als böhmische Bergstadt mit Sitz eines königlichen Bergschreibers geführt wurde. Die Privilegien der Stadt wurden 1351 von Kaiser Karl IV. bestätigt. Die Phase der größten Produktion endete in den 30er Jahren des 15. Jahrhunderts, als Neu Knin von den Hussiten niedergebrannt wurde. Im 16. und 17. Jahrhundert kam es schrittweise zur Wiederinbetriebnahme nahezu aller Gruben, wobei der frühere Glanz des Bergreviers nie mehr erreicht wurde. Ab dem 18. Jahrhundert war Neu Knin dann nur noch ein eher unbedeutendes Provvinzstädtchen und die frühere Bedeutung als Goldbergstadt geriet immer mehr in Vergessenheit. Zwar kam es immer wieder zu Erkundungs- und Versuchsbauen - zuletz umfangreich unter dem Grafen Silva-Tarouca im Zeitraum 1911-1923 - ein erträglicher Betrieb konnte aber nicht mehr aufgenommen werden.

 

Das Münzhaus auf dem Marktplatz zu Neu Knin

Der Name "Münzhaus" ist etwas irreführend, da hier mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals Münzprägung stattgefunden hat. Bedeutung besaß das Haus jedoch als Bergamt, was für die Registrierung des im Neukniner Bergrevier gewonnenen Godles verantwortlich war und die Übermittlung an die königliche Kasse organisierte. Dieses Amt ist im "Münzhaus" nachweislich seit dem 16. Jahrhundert ansässig gewesen. Der heutige Zustand geht auf Baumaßnahmen des Jahres 1800 zurück. Seit 1999 beherbergt das Gebäude das Goldmuseum ("Muzeum Zlata").

Blick auf das "Münzhaus" auf dem Neu Kniner Markt, welches heute das Goldmuseum beherbergt.

 

Bergbaurelikte im Tal der Kocába unterhalb Neu Knins

Tagesstollen Nr. I (Thermodynamisches Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften)
Dieser Stollen stellt die Überreste aus der letzten Etappe der staatlich finanzierten Forschung über die Zone der Golderze unterhalb des Berges Chvojen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar. Die Arbeit nach dieser Prägung begann im Jahr 1914 und in der Folge wurden alle Schurfstellen im Besitz der Stadt Nový Knín in Staatseigentum (k. u. k. Monarchie) überführt. Das Forschungsprojekt entstand auf der Basis von falschen Annahmen des Prof. Barvíř, der reiche Erzadern (sogenannte „Kamlov“-Adern) im Bereich des Bergs Chvojen vermutete.
In den Jahren 1914-1919 wurde ein 637 m langer Stollen und in den Jahren 1919-1920 zwei Schächte auf dem Berg Chvojen eingerichtet. Aufgrund der vollkommen negativen Ergebnisse wurde von weiteren Untersuchungen ab dem Jahr 1923 Abstand genommen. Eine weitere und definitiv letzte Arbeitsphase erfolgte in den Jahren 1943-1945, als die Gesellschaft „Protektorats Berg- und Hüttenwerke“ einen weiteren 130 m langen Stollen anlegte, um das Lagerungsverhältnisse der Chvojen-Zone weiter zu verfolgen. Ende des Jahres 1945 wurden sämtliche Arbeiten an diesem Stollen eingestellt.
Signifikante Golderze wurden mit dieser Arbeit nicht angetroffen und die angetroffenen Quarzschiefer und Imprägnationen von Pyrit wiesen meist nur einen geringen Goldgehalt auf (max. 7,6 Gramm je Tonne). Die vorhandenen alten Abbaubereiche reichen bis in Tiefen von 35-40 m. Lediglich der Quarzschiefer im Stollen Nr. II wies einen höheren Goldgehalt (im Bereich 10-22 Gramm je Tonne) und noch höheren Silbergehalten (im Bereich 10-356 g/t) auf. Er trat jedoch nur in einer sehr geringen Mächtigkeit (10-25 cm) in einer Länge von ca. 30 m und stark auskeilend auf.

Der Stollen No. 1 verläuft in ostsüdöstlicher Richtung zum 481 m hohen Berg Chvojná, wo er eine Teufe von um die 180 m einbringt. Er unterteuft dabei auch das dortige Grubenfeld (u.a. die Dreibrüdergrube /důl Tři bratři). (Bildquelle: Infotafel vor Ort)


Mundloch des Karlsstollens

Tagesstollen Nr. I, heute Thermodynamisches Institut

Altes Mundloch unterhalb des heutigen Portals des Stollens No. II

Altes Mundloch unterhalb des heutigen Portals des Stollens No. II

Stollen No. II

Stollen No. II

Stollen No. II

Stollen No. II
 



Mundloch des Karlsstollens
Am Weg in das Tal der Kocába finden wir an dieser Stelle das Mundloch eines der wohl bekanntesten und am besten erhaltenen Stollen der Umgebung von Nový Knín – den Karlsstollen, der wahrscheinlich bereits im Jahr 1539 Entwässerungsstollen für das Bergwerk „Moravec“ („Mähre“), welches mit höchster Wahrscheinlichkeit auf einer Erzader der sogenannten „Sudowitzer Zone“ lag. Ebenso ist das neben dem Mundloch liegende Gebäude der sogenannten „Aixner-Mühle“ sehr alt, welches im 15. Jahrhundert der Müllerfamilie Mikulka gehörte. Leider liegen keine weiteren historischen Informationen aus dieser Zeit über das Ausmaß der Förderung und die ausgebrachten Metalle vor.
Archivmaterial existiert jedoch aus der jüngeren Phase der Erkundung dieses Revieres im Zusammenhang mit dem Karlsstollen. Im Jahr 1804 wurde unter Leitung des Bürgers P. Holakovsky von Nový Knín eine kommunale Gewerkschaft gegründet, die eine Erneuerung des Stollen (damals als „Maria-Theresa-Stollen“ bezeichnet) versuchte. Die Arbeit endete im Jahr 1822, worauf im folgenden Jahr ein vergleichbarer Versuch durch eine Gewerkschaft unter K. Masner unternommen wurde.
In der Folge wurde dieser Stollen im Jahr 1881 für die ausländische Gesellschaft von J. Wang geöffnet, dessen Versuch jedoch ebenfalls scheiterte. Einen letzten, ebenfalls erfolglosen Versuch unternahm der Staat, vertreten durch C. K. Báňsky, einen Betriebsleiter aus Příbram. Die Aktivitäten dieser Etappe beinhalteten ausschließlich Wartungsarbeiten am Eingangsbereich des Stollens, da dieser als Sprengmittellager für die in der Nähe neu aufgefahrenen Erkundungsstollen Nr. I und II diente. Reste dieser Lager blieben bis heute im Stollen erhalten.

Schematische Darstellung des Karlsstollens: 1.) Halde; 2.) Mundloch; 3.) Verbruch; 4.) Abteufen auf einer Nebenstrecke; 5.) Abzweigungen; 6.) Verbruch; 7.) Abteufen; 8.) Reste einer Türe; 9.) Hier trennt sich der STollen in zwei Strecken, die blind enden (Bildquelle: Infotafel vor Ort)

 

Die Goldseifen und der "Čertovka"-Stollen bei Klínec

Die Gründung des Dorfes Klínec wird direkt mit der Gewinnung von Gold und Halbedelsteinen in Verbindung gebracht. Das heißt, es könnte sich vielleicht ursprünglich um eine Ansiedlung von Bergleuten gehandelt haben. Als Zeugen des Altbergbaus findet man im bewaldeten Grund des Korábka-Baches eine eigenartige Landschaft, die aus spitzen Hügeln (sogenannte 'sejpy') und Pingen ('pinky') gebildet wird. Als Flurname ist für dieses Gebiet auch der passende Name 'Pinkousy' überliefert. Noch heute lässt sich der Wassergraben erkennen, welcher das Wasser aus dem Dorfteich zu den Goldseifen leitete. In einem Felsrücken, der den Tagebau vom Korábka-Bach trennt wurde ein etwa 100 m langer Entwässerungsstollen angelegt. Dieser Stollen beginnt in einer grottenartigen Weitung und verläuft in wechselndem Profil bis zu einem Steilhang, wo das Grubenwasser über eine Art Kaskade etwa 10 m zum Bach hinabfällt.
Das Goldseifen fand in Ablagerungen des Tertiär statt, die durch einen nicht mehr existierenden Wasserlauf auf die Hochfläche zwischen Brdy-Wald und Moldau gelangten. Unterhalb des Dorfes Klínec wurde rechts des Baches Korábka in diesen Sedimenten Seifen angelegt, wodurch die bereits genannten spitzen Hügel und tilkenartigen Hohlformen entstanden. Die über Jahrhunderte wirkende Verwitterung dürfte das ursprüngliche Aussehen jedoch bereits stark verändert haben, da die tonhaltigen Sedimente bei Starkniedrschlägen stark ausgespült werden und so die Tilken markanter werden.  Der gesamte Bereich der Seifen kann als ein Tagebau aufgefasst werden, der zum Korábka-Bach durch einen Felsrücken abgetrennt ist. Da - wie bereits erwähnt - das Wasser über einen Kunstgraben vom Dorf aus in die tagebauartigen Goldseifen geleitet wurde, musste ein Entwässerungsstollen angelegt werden, um das Abwasser durch den mauerartigen Felsrücken zum Korába-Bach ableiten zu können. Von der Oberseite her öffnet sich dieser Stollen als großes Tor. Hinter dieser hohen Grotte führt der eigentliche Stollen etwa 50 m relativ gerade mit einigen kleinen Richtungskorrekturen zum Hang des Korába-Baches, wo das abgeleitete Wasser einen etwa 10 m hohen Steilhang wasserfallartig hinabstürzte. Möglicherweise befand sich am unteren Stollenmundloch auch ein kleines Seifenwehr, worauf Spuren im Gelände hinweisen.

Der Stollen ist frei zugänglich und kann problemlos befahren werden (Lampe und Helm sind selbstverständlich Pflicht - Stiefel sind bei normalen Witterungsverhältnissen nicht nötig).


Blick vom Korába-Bach hinauf zum unteren Mundloch (links oben).

Vom unteren Mundloch fällt das Stollenwasser wasserfallartig zum Korába-Bach hinab.

Unteres Mundloch und Steilhang zum Korába-Bach.

Ansicht des Bereichs am unteren Mundloch.

Blick vom unteren Mundloch in den Stollen.

Blick aus dem unteren Mundloch.

Vom unteren Mundloch aus zeigt der Stollen zunächst einen schlüssellochartigen Querschnitt.

Im mittleren Abschnitt des Stollens.

Im mittleren Abschnitt des Stollens.

Blick zum unteren Mundloch.

Blick aus dem Tagebau zum oberen Mundlochbereich.

Blick zum oberen Mundloch.

Der Bereich hinter dem oberen Mundloch weist ein etwas schräges Profil auf.

Blick aus dem oberen Mundloch in den ehemaligen Goldseifentagebau.
 

 

Literaturquellen

http://www.obecklinec.eu/informace-o-obci/historie/
M. Karelová & J. Pohunek: KAM do podzemí. (Brno 2013)