kurzer Überblick über die Clausnitzer Bergbaugeschichte

In dem kleinen etwa 20 Kilometer südöstlich von Freiberg gelegenen Dorf Clausnitz gaben zwei kupferhaltige Erzgänge (Salomo Spat, Emanuel Stehender) der kiesig-blendigen Bleierzformation (kb-Formation) den Anlass für einen Bergbau, der mindestens bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückreicht. Die geförderten Erze wurden vor Ort in zwei Pochwerken und einer Schmelzhütte verarbeitet bzw. an die Saigerhütte Grünthal geliefert. Im 16. Jahrhundert trat sogar die bekannte Großhändlerfamilie Welser als Gewerke im Clausnitzer Bergbau auf. Nach dem Niedergang Anfang des 17. Jahrhunderts wurde noch bis ins 20. Jahrhundert hinein immer wieder vergeblich versucht, an die frühe Blüte des Bergbaus anzuknüpfen. Dieses Schicksal ist typisch für die kleinen abseits der großen Reviere gelegenen Abbauorte im Erzgebirge.

Die Erzgänge im Bereich der Gruben "St. Michaelis" und "König Salomo" (Ausschnitt der Geologischen Karte - Sektion 117 Sayda)

Die Anfänge des Bergbaus reichen wahrscheinlich mindestens bis ins frühe 15. Jahrhundert zurück, denn 1460 erteilt Kurfürst Friedrich II. dem Bergherren Hans Münzer eine Konzession zur Wiederaufnahme des Bergbaus und zum saigern, d.h. zum trenn des Silbers aus den kupfererzen. Der Abbau konzentrierte sich damals auf die Grubenfelder "St. Michaelis", "St. Wolfgang", "König Salomo" und "König David".

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich der Bergbau so positiv, dass sogar Bartholomäus Welser, ein Mitglieder der angesehenen süddeutschen Handelsfamilie Welser, 1518 an mehreren Fundgruben in Clausnitz (und im benachbarten Sayda) beteiligt war. Unter dem Bergherren Hans Beier kam es ab 1556 zu einer Intensivierung des Abbaus und der Errichtung eines Pochwerkes sowie einer Schmelzhütte. 1562 erfolgte der Abbau auf den Gruben "König David", "Engelschar" und "Schweizer". Bemerkenswert war der Einbau von Kunstgezeugen auf "König David" nach Planungen des bekanntenn Freiberger Bergmeisters Martin Planer.

Als 1622 infolge eines Unwetters die Gruben absoffen, kam der Bergbau zum erliegen. Erfolglose Wiederaufnahmeversuche sind für 1740/41 und 1783 ("St. Michael") überliefert.

Im 19. Jahrhundert unternahm dann die 1858 gegründete Clausnitzer Bergbaugesellschaft einen neuen Bergbauversuch. Zwischen 1860 und 1866 wurde der St. Michaelis Stolln auf einer Länge von ca. 400 Metern als Entwässerungs- und Erkundungsstollen bis in das altee Grubenfeld von "König Salomo" aufgefahren. Zwischen 1868 und 1874 erfolgte hier die Förderung von 5,1 Tonnen silber- und kupferhaltiger Erze im Wert von 258 Talern - zu wenig für einen dauerhaft rentablen Bergbau. Die Grube "St. Michael zu Clausnitz" wurde deshalb 1877 wieder stillgelegt.

Ein letzter Bergbauversuch erfolgte ab 1920 mit der Neuaufnahme der Grube "St. Michaelis" unter der Bezeichnung "Ernst Georg Fundgrube". 1923 lieferte das Bergwerk 9,1 Tonnen Kupfererze an die Hütte in Muldenhütte - wieder zu wenig für einen dauerhaften Abbau, so dass der Betrieb endgültig eingestellt wurde
 
Nachdem 1999 unmittelbar neben einem Wohnhaus ein Tagesbruch auf dem "König Salomo Stolln" auftrat, wurde zwischen 1999 und 2004 der St. Michealis Stolln aufgewältigt und gesichert, um eine geregelte Entwässerung der alten Grubenbaue sicher zu stellen.
 
Befahrungen im "St. Michaelis Stolln" sind heute nach Absprache über den Heimatgeschichtsverein Rechenberg-Bienenmühle möglich. Die nachfolgenden Bilder entstanden bei einer dieser Befahrungen.
 


Mundloch

Schlussstein

hölzernes Tragwerk über der Rösche

im Rahmen der Sanierung gesicherter Bereich

teils in Mauerung gesetzter Stollnbereich

eingeschlagene Jahreszahl 1860

Bruchsteinmauerung

verbrochene Altbergbaustrecke

im Rahmen der Sanierung gesicherter Bereich

sehr schön gearbeitetes Gequäle

Streckenkreuz

ein letzter Blick
 

 
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