Die rätselhafte Halden- und Pingenlandschaft der Dohnaer Spargründe

Die Müglitzhänge unmittelbar gegenüber der ehemaligen Burg Dohna weisen eine ungewöhnliche reiche Gliederung auf. Drei von der Hochfläche um Sürßen, Tronitz und Ploschwitz abfließende Wasserläufe führten hier zur Herausbildung von insgesamt vier Bergspornen. Wer dieses Gebiet abseits der Wege erkundet, trifft an mehreren Stellen auf eine stark zerfurchte Geländeoberfläche, deren Entstehung eindeutig nur auf menschliche Tätigkeit zurückgeführt werden kann. Zahlreiche Kerben und Rinnen sowie teilweise allseitig frei liegende burghügelartige Kuppen sind in vier Bereichen von teils größerer Fläche zu finden. Oft erinnern diese Areale stark an Altergbaureviere mit unregelmäßig angeordneten Halden und Pingen. Andererseits vermitteln Teile dieser Flächen auch den Eindruck, es könnte sich um Anlagen mit einer einst vorhandenen Wehrfunktion handeln.

Im Folgenden sollen beide Deutungsversuche genauer betrachtet werden, wobei jedoch zuerst einige allgemeine Aspekte zum Gebiet der Spargründe vorgestellt werden. Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass weder in heimatkundlicher, noch in Fachliteratur, Hinweise über den Ursprung der auffälligen Oberflächenformen zu finden sind. Tatsächlich ist es sogar so, dass diese Merkwürdigkeit des Spargrundareals nirgends überhaupt angesprochen wird. Dementsprechend liefern auch kartographische Dokumente kaum Informationen. Lediglich einige Karten aus der Ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weisen - wenn auch nie für alle Areale - auf ungewöhnliche Voll- und Hohlformen der Geländeoberfläche hin. Am detailliertesten ist dabei eine von Lehmann 1829 erstellte Karte: hier wurde auf dem Bergsporn an welchem die Straße nach Sürßen hinaufführt ein großes Areal verhältnismäßig exakt verzeichnet.

Abb. 1: Die exakteste Darstellung der zerfurchten Geländeoberfläche ist in dieser von Lehmann 1829 veröffentlichten Karte zu finden. Zumindest eins der vier drartigen Areal ist hier im Bezug auf seine Ausdehnung exakt dargestellt. (Quelle: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90010624 - Karte nicht genordet!)

An gleicher Stelle ist auch im von Oberreit bearbeiteten Topographischen Atlas des Königreichs Sachsen eine Auffälligkeit verzeichnet. Hier sind zwei längliche Vollformen (möglicherweise Halden?) eingetragen. Am besten erkennbar ist dies auf einer Karte, die im Jahre 1849 zur Illustration der Schlacht bei Dresden (1813) angefertigt worden war und dabei auf das Oberreitsche Kartenwerk als Grundlage zurück griff:

Abb. 2: In einer von Jean-Jacques Germain Pelet erstellten Karte, welche die Kriegsereignisse des Jahres 1813 (Schlacht um Dresden) zeigt, sind auf dem Bergsporn zwei längliche haldenartige Strukturen zu erkennen. Diese wurden schon von Oberreit (um 1836) verzeichnet. (Quelle: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90049714)

Die Sächsischen Meilenblätter zeigen an selber Stelle ebenfalls auffällige Strukturen. Dies gilt besonders für das Dresdner Exemplar (Datierung 1781), welches aber leider auch sehr undeutlich ist. Im später erschienenen Freiberger Exemplar sind an der besagten Stelle nur durch längliche weiße Streifen Geländeunebenheiten angedeutet. Markanter sind die Zerfurchungen der Oberfläche hingegen in einem Bereich am südlichen Hang des sogenannten "Spahr Grundes" dargestellt, welcher die Nordflanke des als "Kirchen Busch" bezeichneten Bergsporns bildet.:

Abb. 3: Das Meilenblatt (Freiberger Exemplar) zeigt eines der zerfurchten Areale in sehr akkurater Darstellung. An der Nordseite des als "Kirchen Busch" bezeichneten Bergsporns sind auch heute noch mehrere nebeneinander liegende Hügel vorhanden, die ringsum frei stehen - und daher den Anschein von Burghügeln erwecken. Der hier verlaufende Weg nimmt bis heute den selben Verlauf. Zur Verwirrung trägt bei, dass die Namen Sürßen- und Spargrund in den Meilenblättern umgekehrt, als in den später erschienenen Karten (Messtischblätter) angegeben werden. Dort nämlich ist der Sürßengrund nördlich und der Spargrund südlich. Der direkt von Sürßen kommende (nördlichste) Wasserlauf ist hingegen in allen Karten ohne Bezeichnung. (Quelle: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90011757 - Karte nicht genordet!)

Die Darstellungen in den Karten sind somit zwar uneinheitlich und zeigen nur an zwei der heute insgesamt vier festellbaren Arealen Spuren der Oberflächenveränderung, dennoch kann zumindest mit Sicherheit gesagt werden, dass ihr Ursprung auf eine Zeit vor dem 19. Jahrhundert zurück gehen muss.

Auch in den Messtischblättern sind die Hügel und Vertiefungen teilweise angedeutet. Dabei ist sogar das in älteren Karten nicht dargestellte hügelige Areal an der von Dohna nach Ploschwitz führenden Straße erkennbar (in der Karte unten: südlich der Signatur "Ladest."). Markant deutlich wird eine weitere Besonderheit des Spargrund Areals: der tief eingeschnittene Hohlweg, welcher neben der nach Sürßen führenden Straße auf den Bergsporn hinauf führt.

Abb. 4: Die auf den Messtischblättern basierende geologische Karte zeigt Geländeunebenheiten im Bereich im Bereich von drei Bergspornen. Auffällig ist, dass diese jeweils in Zonen auftreten, welche durch die Signatur "b" (Kalkige Brekzien, Konglomerate u. Sandsteine) gekennzeichnet sind.

 

Heutige Geländesituation

Abb. 5)

Erläuterung:

a - b - c :   Bergsporne

I - II - III - IV > rot schraffierte Flächen : Areale mit stark zerfurchter Geländeoberfläche

A - B - C - D > gelbe Linien : sichtbare Gräben (gestrichelt = unklarer Verlauf)

oranger Strich : wall-oder dammartige Strukturen

weiß-graue Flächen : Steinbrüche (ab ca. 1900)

1: Schachthalde mit daneben liegender Vertiefung, welche möglicherweise auf eine Art Ofen zurückzuführen ist

2: Hohlweg (Verlauf grün markiert)

3: Damm (möglicherweise beim Bau des Bahngleises entstanden)

4: Mauerreste (vermutlich zu den Steinbrüchen der Zeit um 1900 gehörig)

5: Wasserhaus

 

Ein Altbergbauareal?

Die im gelände zu erkennenden Strukturen weisen eindeutig auf eine intensive menschliche Umgestaltung hin. Zwar treten tiefe und umfangreiche rinnenartige Strukturen im Bereich der Elbtalweitungoft in Folge der Ausspülung alter Wege auf, wie dies insbesondere am Borsberghang zwischen Graupa und Bonnewitz zu beobachten ist. Hier bei den Spargründen jedoch ist die besondere Ausformung zweifelsfrei nicht auf einen derartigen Ursprung zurück zu führen. Dies beweisen v.a. die burghügelartigen Erhöhungen, welche der Hangschulter vorgelagert sind und ringsum durch grabenartige Strukturen umgeben sind. Das Vorhandensein größerer Steinblöcke unmittelbar in derartigen Rinnen weist ebenfalls darauf hin, dass es sich nicht um alte Weghohlen handelt, sondern eher um Areale einer Steingewinnung. Der Blick auf die geologische Karte (Abb. 4) verdeutlicht dabei, dass die Bereiche der intensivsten Zerfurchung direkt mit einer Zone zusammentreffen, die durch kalkhaltige Brekzien, Konglomerate und Sandsteine gekennzeichnet ist (Signatur 'b'). In diesem Zusammenhang erscheint es als plausibel, dass die Entstehung der Vertiefungen mit der Förderung eines Materials zum Kalkbrennen verbunden war.

In den Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt Pirna (bearbeitet von K. Pietzsch, 1919) wird das kalkhaltige Material als eine 'Küstenfazies' beschrieben, welche den Pländersandstein der Kreideformation mit Mächtigkeiten von bis zu 2 m unterlagert. Die Zone dieses Materials wird als Küstenlinie gedeutet, welche etwa von Schmorsdorf nach Dohna, Großsedlitz, Krebs und weiter in Richtung Ottendorf verlief. Für das Areal der Spargründe vermerkt Pietzsch (S. 78), dass hier dichtgepackte, bis 5 cm große, eckige oder stumpfkantige Fragmente von Quarz, Kieselschiefer, Tonschiefer und Quarzitschiefer vorlagen, die zum Teil durch ein "braunes, eisenschüssig-kalkiges Zement sehr fest verkittet" waren. Der Kalkgehalt lag hier aber nicht höher als andernorts entlang der genannten Küstenlinie. Da nirgendwo sonst in dieser Zone Spuren der Gewinnung dieses Materials erkennbar sind, scheint es zweifelhaft, dass ausgerechnet im Areal der Spargründe ein derartig umfangreicher Abbau stattgefunden haben sollte.

Abb. 6a: Dieser in einer Rinne des Areals IV aufgefundene Lesestein zeigt neben der dichtgepackten mit vorwiegend Quarzfragmenten gebildeten Brekzie nahezu kein Bindemittel. Im Gegensatz dazu sind jedoch im Areal der Spargründe auch Gesteine zu finden, die deutlich mehr Bindemittel und somit höhere Kalkgehalte aufweisen können.

Abb. 6b: Bei diesem Gesteinsfundstück ist ein größerer Anteil eines offenbar kalkhaltigen Bindemittels feststellbar.

 

Ein weiterer denkbarer Ansatz - welcher insbesondere zur Erklärung der Schachthalde (Abb. 5: Punkt 1) sowie den teilweise stollenartigen Anschnitten an den Talhängen beitragen könnte - wäre der Versuch eines Eisenerzbergbaus. Immerhin wird bei Pietzsch (1919, S. 19) zum hier auftretenden Dohnaer Biotitgranit (siehe Abb. 4) angemerkt, dass er stellenweise bei der Verwitterung "viele Eisenverbindungen liefert". Im Schlemmrückstand wären außerdem u.a. mehrere opake Eisenerze zu finden und: "Nicht selten enthält das Gestein auch Eisenkies eingesprengt." Dennoch scheint es mehr als unwahrscheinlich, dass in diesem Zusammenhang Bergbauunternehmungen auftraten.

Abb. 7: Detailaufnahme des Dohnaer Biotitgranits, welcher durch seine rötliche Färbung auf Eisengehalte hinweist. Eisenoxid (FeO) macht nach T. Scheerer (1866) immerhin 6,9 % des Gesteins aus.

 

Eine Burgstätte?

Die Bergsporne der Spargründe stellen ein Gelände dar, welches ideal zur Errichtung von Wehranlagen geeignet gewesen wäre. In unmittelbarer Nähe finden sich bereits bekannte Burgstäten in ähnlicher Lage. So der Robisch (oder: Robscher) - für welchen eine Besiedlung schon zur jüngeren Bronzezeit nachgewiesen wurde (Werte der dt. Heimat, Bd. 9, S. 68) - sowie die am gegenüberliegenden Talhang befindliche Burg Dohna. Tatsächlich lassen sich im Gelände Strukturen erkennen, die als ehemalige Gräben gedeutet werden könnten. Besonders auffällig ist dies an der von Dohna nach Sürßen führenden Straße. Hier ist im Übergang vom bewaldeten Gebiet zum Offenland eine markante Senke zu erkennen, die den vorderen Teil des Bergsporns (a) zur Hochfläche hin abzutrennen scheint. Weitere Grabenstrukturen sind vorrangig im Bereich des schmalen und felsigen Sporns (c) zu beobachten, die jedoch allesamt nur sehr kleine Ausmaße zeigen.

Am stärksten vermitteln jedoch die burghügelartigen Erhebungen, welche teilweise vollständig von Rinnen bzw. Gräben umgeben sind den Eindruck, es handelte sich um um einstige Wehranlagen. Insbesondere im Bereich des Bergsporns (b) liegen hier mehrere derartige Hügel frei der nördlich Flanke vorgelagert. Im Bereich des Bergsporns (a) hingegen sind Hügelstrukturen durch umlaufende Rinnen herauspräpariert.

Abb. 8: Digitales Geländemodell (Quelle: Geoportal Sachsenatlas - www.geosn.Sachsen.de)

 

Bildgalerie


Vom Wasserhäuschen führt ein flacher Wall (möglicherweise Wasserleitungen?) zum Krähenhübel.

Einer der schmalen Gräben, die auf dem Bergsporn (c) erkennbar sind.

Einer der schmalen Gräben, die auf dem Bergsporn (c) erkennbar sind.

Blick über den vermeintlichen Graben (A) zum bewaldeten Bergsporn (a) und dem zerfurchten Areal I.

Von der Straße aus wirkt es, als würde der baumbestandene Bergsporn (a) durch einen Graben (A) zum Offenland abgegrenzt.


Blick vom schmalen Bergsporn (c) zum höheren Bergsporn (a).

Plateau des Bergsporns (b).

Blick von Sürßen auf die Bergsporne (a = links) und (b = rechts).

Rinnen und Hügel im Areal IV.

Rinnen und Hügel im Areal IV.

Der Teil des Areals IV an der Straße nach Ploschwitz erinnert mit seinen Bodenwellen an einen verfüllten Steinbruch.

Der Teil des Areals IV an der Straße nach Ploschwitz erinnert mit seinen Bodenwellen an einen verfüllten Steinbruch.

Im Areal III sind nur zwei kleinere Vertiefungen vorhanden.

Im Areal III sind nur zwei kleinere Rinnen vorhanden.

Areal II wird durch frei liegende Hügel gebildet, die dem Hang burghügelartig vorgelagert sind.

Blick auf die Hügel des Areals II von der Talseite aus.

Blick vom Plateau des Bergsporns (b) auf einen der Hügel des Areals II.

Diese Mauerrste gehören wohl zu einem Bauwerk, welches im Zusammenhang mit den Granitsteinbrüchen entstand. (Punkt 4)

In dem von Sürßen kommenden Wasserlauf ist kurz vor dem Bahngleis eine Art Damm zu erkennen. Evtl. entstanden während des Bahnbaus.

Ein tief eingeschnittener Hohlweg führt hinauf zum Bergsporn (a).

Der Hohlweg (2) mündet nahe der Schachthalde (1) auf dem Plateau des Bergsporns (a).

links die Schachthalde (1), rechts der vom Müglitztal herauf kommende Hohlweg (2)

Dieser Gesteinsbrocken (Quarzit?) liegt unmittelbar auf der Schachthalde.

Die Schachthalde vermittelt den Eindruck eines jüngeren Datums (18./19. Jh. ?). Zentral im Bild der Schachttrichter.

Diese Vertiefung neben der Schachthalde (1) vermittelt den Eindruck einer technischen Einrichtung (Ofen?).

Die Vertiefung an der Schachthalde (1) wird durch einen schmalen Graben und eine rundliche Grube gebildet.

Nahezu das gesamte Plateau des Bergsporns (a) wird von den Rinnen und Hügeln des Areals I eingenommen.

Nahezu das gesamte Plateau des Bergsporns (a) wird von den Rinnen und Hügeln des Areals I eingenommen.

Eine Art Schachtpinge (oder hat da einfach jemand so eine Grube gegraben?) im Areal I.

Auch im Areal I präparieren die Rinnenstrukturen teilweise regelrecht "Burghügel" heraus.

An den Hängen erinnern einige Vertiefungen an verbrochene Stollen. (Areal I)

Eine dominante Rinne im Areal I, markiert hier den Verlauf des möglichen Grabens (A).

Der markanteste Hügel des Areals I.

In dieser Rinne im Areal I liegen größere Bruchsteine der Brekzien, die hier aber keinen höheren Kalkgehalt aufweisen.
 

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