Die Kalkbrüche in den Süßwasserkalken bei Tuchorschitz (Tuchořice)
Am nördlichen Hang der Sandsteintafel des Krugwaldes findet man vereinzelte Kalksteinlagerstätten, die in geologischer Hinsicht bemerkenswert sind. Bereits in den 1860er Jahren wurden hier außergewöhnliche Fossilienfunde gemacht, die immer wieder das Interesse von Geologen weckten. Zunächst nahm man an, dass die hiesigen Süßasserkalke in Mulden im Plänersandstein abgelagert worden waren (G. Leonhardt, 1874 - Grundzüge der Geognosie und Geologie). Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass es sich um eine Abfolge der Sedimentation des nordböhmischen Braunkohlebeckens handelt. Die kalkigen Lagen wurden durch spätere tektonische Vorgänge (Bruchschollenbildung)voneinander abgetrennt. Sie stellen besonders junge Sedimente dar, die nur dort erhalten blieben, wo die Schollen bzw. Blöcke durch die Bruchtektonik besonders tief liegen. Nur in diesen Bereichen entgingen sie somit der Abtragung. Die Süßwasserkalke entstanden im Miozän als Produkte thermaler Mineralquellen entlang einer südlichen Bruchlinie des tektonischen Grabens (nordböhm. Braunkohlebecken). Bis heute existiert bei Tuchorschitz eine subthermale artesische Quelle. Insgesamt zeigen sich die Gesteine in drei Varietäten von Travertinen über bankige Kalksteine bis hin zu Tonmergeln.

(Militärkarte der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme 1869-87)


Als ungewöhnlich hoch galt bereits für die Geologen des 19. Jahrhunderts der Reichtum an fossiler Fauna. Neben zahlreichen Schneckenarten wurden auch Barytkugeln hervorgehoben, die sich aus strahlenförmig gruppierten Barytnadeln zusammensetzten. Die Arbeiter in den Kalkbrüchen nannten die besonders fossilienreichen Lagen "Schneckensand", welcher zugleich für die Kalkgewinnung bevorzugt genutzt wurde. Ein Bericht aus dem Jahr 1888 sprach davon, dass ein mächtiger Bruch bei Tuchorschitz bereits "seit langen Jahren" betrieben worden war (Bericht über die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft IX, Frankfurt am Main 1888). Eine Anzeige aus dem Allgemeinen Anzeiger der Stadt Saaz beweist, dass bereits 1841 Tuchorschitzer Bauern mit der Kalkerzeugung beschäftigt waren und Kalk zum Verkauf anboten.

Der früheste konkrete Hinweis auf ein Kalkgewerbe im Ort findet sich zum Jahr 1830, als einfache Ziegel- und Kalkmeiler erwähnt werden. Aufgrund des Fehlens sonstiger exakter Dokumente muss man davon ausgehen, dass der Anfang der Kalkgewinnung in Tuchorschitz zu Beginn des 19. Jahrhunderts liegen dürfte. In einer ansonsten kalkarmen Gegend erlangten die Kalkbrüche bald Berühmtheit. In kleinen Holzfässern wurde Kalk aus Tuchorschitz bald bis in entfernte Gegenden geliefert. Der nördlich des Torfes liegende Pánský lom ("Herrenbruch") war die größte Abbaustelle des Kalksteins. Hier entstand eine Abbauwand von fast 300 m länge, welche bisweilen bis zu 25 m hoch ist. Die Gewinnung des Kalksteins endete im Jahr 1915. Eine 1895 nordwestlich des Dorfes Tuchorschitz durch K.Blažek gegründete Ziegelei mit zwei großen Ringöfen verarbeitete sowohl die Lehmschichten sowie die Kalkgesteine zu Kalk und Ziegeln. Der Betrieb wurde bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts fortgeführt. Die 35 und 37 m hohen Schornsteine der Öfen wurden erst im Jahr 2013 gesprengt.
 


Blick vom Kalkbruch südöstlich des Dorfes auf Tuchorschitz.

Abbauwand im südöstlich Tuchorschitz' liegenden ehem. Kalkbruch.

Die von Tuchoschitz nach Marquaretz (Markvarec) führende Straße durchquert den ehem. Kalkbruch.

Abbauwand im südöstlich Tuchorschitz' liegenden ehem. Kalkbruch.

Abbauwand im südöstlich Tuchorschitz' liegenden ehem. Kalkbruch.

Abbauwand im südöstlich Tuchorschitz' liegenden ehem. Kalkbruch.

In den Dubschaner Steinbrüchen (Lom Dubčany) wurde Pläner des Oberen Turon (Spongilit) gebrochen.

Die Dubschaner Steinbrüche lieferten also nicht Kalk, sondern Pläner als Baustein zum Mauerbau.

Die Travertinkuppe im Dorf Tuchorschitz ist ein herausragendes geologisches Denkmal.

Travertinkuppe (Travertinová kupa) in Tuchorschitz (Tuchořice).

Travertinkuppe (Travertinová kupa) in Tuchorschitz (Tuchořice).

Blick vom Krugwald über Tuchorschitz und das Nordböhmische Braunkohlebecken.

Blick auf Tuchorschitz vom südöstlichen Dorfende.

Der "Herrenbruch" (Panský lom).

Der "Herrenbruch" (Panský lom). Deutlich sichtbar die oberflächennahe Verwitterungsschicht.

Der "Herrenbruch" (Panský lom).

Der "Herrenbruch" (Panský lom). Interessant ist das Verhältnis von Kalkstein (unten) zum überlagernden Abraum.

Abbauwand im "Herrenbruch" (Panský lom).

Im westlichen Teil des "Herrenbruchs" (Panský lom).

Im "Herrenbruch" (Panský lom).
 



 

Quellen, Literatur und weiterführende Informationen


Fejfar (2011) - in der Zeitschrift Živa 2/2011, S. 90-93:

http://ziva.avcr.cz/files/ziva/pdf/nalezy-fosilnich-savcu-ii-tuchorice-na-lounsku.pdf


Heissig & Fejfar (2007):

http://www.rhinoresourcecenter.com/pdf_files/132/1323028208.pdf